Google

400 euro nebenverdienst



UNTERNEHMENSBEIRÄTE
Geschacher hinter der Mauer des Schweigens
In Beiräten großer Unternehmen verdienen Politiker staatliche Honorare - fraglich ist nur wofür. Über das Geben und Nehmen wollen die Betroffenen nicht reden. Parteiforscher verlangen
schärfere Regelungen. Ein Politiker spricht gar von legaler Bestechung.

Berlin - Wenn der Beirat der Hamburg-Mannheimer Versicherungs
AG sich einmal jährlich im Sitzungssaal seines Hamburger
Geschäftsgebäudes trifft, ist die Atmosphäre eher entspannt. Die
Anwesenden lauschen Vorträgen des Gastgebers zur wirtschaftlichen
Situation des Unternehmens oder zur Auslandsstrategie der
Konzernmutter. Zum Schluss folgt der Punkt 'Verschiedenes'. Nach
insgesamt rund drei Stunden geht man dann zum angenehmen Teil über:
Das Unternehmen bittet zu Tisch. Für Beiräte wie FDP-Chef Guido
Westerwelle, CDU-Präsidiumsmitglied Volker Rühe oder den
SPD-Wirtschaftsexperten Rainer Wend ist das Treffen nicht nur aus
kulinarischer Sicht lohnenswert. Jedes Beiratsmitglied erhält 8000
Euro im Jahr.
Offiziell soll der Beirat den Aufsichtsrat und Vorstand der
Hamburg-Mannheimer in wichtigen Wirtschaftsfragen beraten. Doch was
der Oberstudienrat Rühe oder die Anwälte Wend und Westerwelle in dem
14-köpfigen Beirat an Expertise einbringen können, dürfte schon
angesichts der kurzen Sitzungsdauer eher gering sein. Die
Versicherung allerdings nimmt es mit der Gegenleistung ihrer
Beiratsmitglieder nicht so genau. Selbst wenn Mitglieder zu der
einzigen Sitzung nicht erscheinen - laut Hamburg-Mannheimer fehlt im
Durchschnitt jeder Fünfte - fließt das Geld. Schließlich ist es
offiziell ein Jahreshonorar.
Diese Praxis der Hamburg-Mannheimer ist
keine Ausnahme. Die Hamburger verweisen auf andere Versicherungen.
Dazu zählt die Barmenia. Ihr Beirat trifft sich in der Regel einmal
im Jahr. Sie bezahlt den Mitgliedern des Gremiums satte 3000 Euro
plus Reise- und Übernachtungskosten. Auch hier sind
Bundestagsabgeordnete prominent vertreten: FDP-Mann Detlef Parr
(Mitglied des Sportausschusses), der CDU-Sozialpolitiker Andreas
Storm und seine Fraktionskollegin Hildegard Müller. Laut Vertrag mit
der Barmenia gehört es zu ihren Aufgaben, 'den Versicherungsgedanken
in der Öffentlichkeit zu fördern'.
Politiker blocken ab
Dutzende Politiker sitzen in
Beiräten großer Unternehmen, wie Recherchen von ddp ergaben, darunter SPD-Urgestein Hans-Ulrich Klose, FDP-Fraktionschef
Wolfgang Gerhardt, der frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz
(CDU) oder der Ex-Bundesminister für Verkehr Matthias Wissmann (CDU). Rund 30 Politiker und 20 Firmen befragte ddp zu der Beiratspraxis. Fast alle blockten ab. Die Politiker mit der Begründung, im Bundestagshandbuch sei die Beiratstätigkeit veröffentlicht, ansonsten kein Kommentar. Einer gab an, die Entlohnung werde direkt vom Unternehmen gespendet. Von den Unternehmen äußerte sich nur die Hamburg-Mannheimer.
Bisher bewegt sich diese einträgliche Symbiose zwischen Wirtschaft
und Politikern in einer paradiesischen Grauzone. Die Beiräte tragen
keinerlei Verantwortung, kassieren aber traumhafte Bezüge. Hans-Peter
Schwintowski, Wirtschaftsrechtler an der Berliner
Humboldt-Universität, bezeichnet solche Beiräte schlicht als
'Honorationsveranstaltung'. Schwintowski: 'Die Aufgaben eines Beirats
sind nicht rechtlich fixiert. Beiräte haben weder
Entscheidungsbefugnisse noch haften sie. Es gibt praktisch keine
Rechenschaftspflicht.' Zwar gebe es viele Beiräte, die wichtige
Aufgaben erfüllen, häufig ohne Entschädigung. Doch bei größeren
Firmen gehe es, so Schwintowski, um etwas anderes: Sie wollen sich
das Renommee ihrer Beiratsmitglieder sichern und sie durch
finanzielle Großzügigkeit einbinden.
Dieses Geben und Nehmen spielt sich weitgehend unter Ausschluss
der Öffentlichkeit ab. Für die Firmen besteht keine
Veröffentlichungspflicht. 'Und die Verhaltensregeln des Bundestages
verlangen keine klare Darstellung der Gegenleistung von
Volksvertretern in solchen Gremien', beklagt Schwintowski. Dass die
Abgeordneten nicht belegen müssen, ob und wie viel sie für ihr Geld
arbeiten, sieht er als einen schweren Fehler.
Geben und Nehmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Nach Meinung von Dieter Birk, Professor für öffentliches Recht an
der Universität Münster, können solche Zustände Politiker in den Ruch
der Bestechlichkeit bringen. 'Wenn ein Bundestagsabgeordneter als
Beirat Geld ohne eine echte Gegenleistung annimmt, dann kann man das
als Vorstufe zur Korruption bezeichnen. Damit erkauft sich das
Unternehmen die Nähe zur politischen Macht', urteilt Birk. Selbst
wenn ein Politiker sein Honorar spende, sei dies keine Entlastung:
'Das ist völlig egal. Worauf es ankommt ist: Der Politiker kann mit
dem Geld tun und lassen, was er will.'
Auch der Düsseldorfer Parteienforscher Thilo Streit hält diese
Zustände für höchst bedenklich: 'Das geht in die Nähe der eigentlich
verbotenen Beraterverträge.' Streit verweist auf Urteile des
Bundesverfassungsgerichtes, wonach Politiker ohne Gegenleistung keine
Honorare erhalten dürfen. Sein Kollege Peter Lösche von der
Universität Göttingen konstatiert: 'Da entsteht der Verdacht der
Beeinflussung.' Lösche plädiert daher für neue Regelungen, die zu
mehr Transparenz führen. Die Chancen dafür stehen aber eher schlecht.
Lösche: 'Es gibt einen parteiübergreifenden Konsens darüber, diesen
Bereich nicht im Sinne von mehr Durchschaubarkeit neu zu regeln.'
Grüner: 'Beiräte letzte Bastion legaler Bestechung'
Das
bestätigt indirekt der SPD-Politiker Wilhelm Schmidt. Er ist Mitglied
im Ältestenrat und gehört einer Kommission an, die über mögliche neue
Verhaltensregeln berät. Offenbar mit wenig Verve: 'Ich erlebe dort
eine große Zurückhaltung und keine engagierte Mitarbeit.' So bleibt
es, wie es ist.
Dafür hat der Fraktionschef der Grünen in Niedersachsen, Stefan
Wenzel, kein Verständnis. Er fordert schärfere Gesetze zu
Nebenverdiensten von Politikern. 'Beiräte sind die letzte Bastion der
legalen Bestechung geworden', moniert er. Bisher haben Politiker
wenig zu fürchten. Potenzielle Kritiker sind oft in das System
eingebunden. Bei der Hamburg-Mannheimer etwa saß neben den Politikern
Westerwelle, Rühe und Wend ein selbsternannter Oberkontrolleur der
Politik am Tisch: Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der
Steuerzahler. Auch er kassierte mit.
Mathew D. Rose, ddp
Auf diesen Moment gibt es keinen Nachrichten mit beziehung zu 400 euro nebenverdienst

Ubersich für Google betrifft 400 euro nebenverdienst:

400 euro nebenverdienst:

Over 400 euro nebenverdienst


Home | Index