Herzogtum Julich
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Das Herzogtum Julich war ein Territorium des Heiligen Romischen Reiches deutscher Nation im Niederrheinisch-Westfalischen Reichskreis, linksrheinisch zwischen dem Herzogtum Geldern, den Kurfurstentumern Koln und Trier sowie dem Furstbistum Luttich gelegen.
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1 Geografie
2 Geschichte
2.1 Wandel von den Grafen im Julichgau zu den Grafen von Julich 3 Siehe auch
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Geografie
Das Herzogtum Julich umfasste ein Areal von 4130 km², das sich 20 km zu beiden Seiten der Rur oder 40 km westlich des Rheins von Venlo im Norden bis in die Nordeifel im Suden erstreckte. Es zahlte 400.000, grosstenteils katholische Einwohner.
Der Sitz des Regenten war die Stadt Julich.
Geschichte
Wandel von den Grafen im Julichgau zu den Grafen von Julich
Anfang des 11. Jahrhundert erscheint im Julichgau (Pagus Juliacensis) ein Grafengeschlecht mit dem Leitnamen Gerhard. Gerhard I. ist Graf im Julichgau von 1003-1029, gefolgt von Gerhard II. (1029-1081), Gerhard III. (1081-1114), Gerhard IV. (1114-1127), Gerhard V. (1127-1138) und Gerhard VI. (1138-1142).
Gerhard III. ist erstmalig mit dem Beinamen comes de Julicho verzeichnet. Mit Wilhelm I. (1142-1176) werden aus den Grafen im Julichgau die Grafen von Julich. Das erste Julicher Grafenhaus stirbt mit Wilhelm II. (1176-1207) im Mannesstamm jedoch aus. Uber dessen Schwester fallt die Grafschaft an Wilhelm III. (1207-1219), Wilhelm IV. (1219-1274), Wilhelm V. (1274-1277), Walram (1277-1297) und Gerhard VI. (1297-1328).
Julich wird Herzogtum
1328 wird Wilhelm V. Graf von Julich. Kaiser Ludwig der Bayer bestatigt ihn in seiner Reichsstandschaft und ernennt ihn zum erblichen Markgrafen. 1356 folgt die Ernennung zum Herzog durch Kaiser Karl IV.
Das Herzogtum wachst
Gerhard, der alteste Sohn Wilhelm V. erheiratet die Grafschaft Ravensberg sowie das Herzogtum Berg und Wilhelm VI., der seinem Vater in Julich nachfolgt, das Herzogtum Geldern.
Nach Wilhelm VI. (1362-1393), Wilhelm II. (1393-1402) und Rainald (1402-1423) werden die Herzogtumer Julich und Berg 1423 miteinander vereint. Nach Rainalds Testament fallen 3/4 des Herzogtums Julich an Adolf IX., Herzog von Berg und Urenkel Herzog Wilhelms V. und 1/4 an Johann, Herr von Heinsberg und Enkel des Herzogs Wilhelm V. Auf diese Weise wird Adolf Herzog von Julich und Berg (1423-1437) und Johann Herr von Julich.
Erbstreitigkeiten
Durch geschickte Heiratspolitik erfolgt 1521 der Zusammenschluss der beiden Herzogtumer mit dem Herzogtum Kleve und der Grafschaft Mark zu den Vereinigten Herzogtumern: Der Enkel von Adolf, Wilhelm VIII., der letzte mannliche Sprossling dieses Furstenhauses, setzte seine Tochter Marie, welche an den Sohn des Herzogs von Kleve, Johann den Friedfertigen, verheiratet war, zur Erbin seiner Lander ein, obgleich der Kaiser Friedrich III. 1485 die Nachfolge in Julich und Berg dem Herzog Albrecht von Sachsen versprochen und Kaiser Maximilian 1495 dies Versprechen erneuert hatte. Nach Wilhelms Tod 1511 folgte daher Johann der Friedfertige, sein Schwiegersohn, ungeachtet des Einspruchs Sachsens. Der Kaiser belehnte Johann, doch wurden Sachsen seine Anspruche gewahrt. Als Johann 1521 auch als Herzog von Kleve zur Regierung gelingt, wird Julich und Berg mit Kleve vereinigt. Damit vertrat er die weltliche Vormacht im niederrheinisch-westfalischen Reichskreis.
1538 erfolgt auf dem Hintergrund der Erbstreitigkeiten mit Kaiser Karl V. um das Herzogtum Geldern der Beschluss des Landtages uber den Ausbau Julichs zur neuzeitlichen Landfestung. 1543 muss Herzog Wilhelm V. nach der Niederlage in der Geldrischen Fehde den Verzicht auf Geldern erklaren. Nachdem 1547 ein Stadtbrand Julich fast vollstandig zerstort, ist der Weg frei zum Wiederaufbau als herzogliche Residenz- und Festungsstadt ab 1548/49 nach idealen Planen des Bologneser Architekten und Festungsbaukundigen Alessandro Pasqualini.
Nach dem Aussterben des Furstenhauses mit Herzog Johann Wilhelm am 25. Marz 1609 machen mehrere deutsche Fursten, besonders Sachsen, Brandenburg und Pfalz-Neuburg, auf seine Hinterlassenschaft Anspruche geltend. Dieser Streit wird als Julich-Klevischer Erbfolgestreit bekannt und dauert von 1609 bis 1614.
Das Haus Sachsen grundet seine Anspruche an die Erbschaft auf ein kaiserliches Versprechen, dass Kleve, im Fall der Mannesstamm des dortigen Furstenhauses aussturbe, an das Haus Sachsen fallen soll. Hiergegen erheben sich die weiblichen Erben (drei Schwestern des Herzogs Johann Wilhelm und deren Nachkommen), denen Karl V. 1546 das Recht der Succession zugesprochen hat.
Die alteste der Schwestern, Marie Eleonore, war an den Herzog von Preussen, Albert Friedrich von Brandenburg, vermahlt gewesen und noch vor ihrem Bruder gestorben. Sie hatte aber aus jener Ehe eine Tochter, Anna, hinterlassen, die an den Kurfursten Johann Siegmund von Brandenburg verheiratet war und sich, dem Heiratsvertrag ihrer Mutter von 1573 gemass, als Erbin der Anspruche derselben betrachtet.
Die zwei anderen Schwestern waren Anna, mit dem Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg, und Magdalena, mit dem Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrucken vermahlt. Diese Erben stehen einmutig gegen Sachsen, machen sich aber die Erbschaft untereinander selbst wieder streitig.
Sofort nach dem Tod Johann Wilhelms ergreifen Brandenburg und Pfalz-Neuburg Besitz der Erbschaft. Im Einverstandnis mit Sachsen verlangt aber der Kaiser zunachst, bis nach erfolgter Ausgleichung der Sache, Julich, Kleve und Berg zu sequestrieren, und lasst sogleich den Erzherzog Leopold mit kaiserlichen und den Erzherzog Albrecht mit spanischen Truppen aus den Niederlanden in die Herzogtumer einrucken. Ersterer uberrumpelt und besetzt im Mai 1609 Julich.
Dies veranlasst Brandenburg und Pfalz-Neuburg, sich am 10. Juni 1609 durch den Rezess von Dortmund zu gemeinschaftlicher Verteidigung ihres Rechts zu verbinden. Die protestantische Union und Heinrich IV. von Frankreich sichern, um eine Festsetzung des Hauses Habsburg am Niederrhein zu verhindern, ihre Hilfe zu, und schon rucken 1610 franzosische und unierte Truppen in das Julichsche ein, als der plotzliche Tod Heinrichs IV. (14. Mai) und des Hauptes der Union, des Kurfursten Friedrich IV. (9. September), den Ausbruch eines grossen Kriegs verhindert.
Bloss Julich wird den Kaiserlichen wieder entrissen. Der Kaiser erteilt allerdings Sachsen die Belehnung, doch bleiben Brandenburg und Neuburg im faktischen Besitz der Lande. Um nun dem Erbstreit zwischen diesen ein Ende zu machen, versucht Philipp Ludwigs Sohn Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg durch eine Vermahlung mit Johann Siegmunds Tochter die brandenburgischen Anspruche mit den pfalzischen zu vereinigen. Aber der Kurfurst weigert sich und es kommt bei einer personlichen Begegnung in Dusseldorf zu heftigen Auseinandersetzungen. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm bricht nun alle Verhandlungen ab, begibt sich nach Bayern, vermahlt sich mit einer Tochter des Hauptes der Liga, des Herzogs Maximilian, und wird 1613 katholisch, wahrend Johann Siegmund zur reformierten Kirche ubertritt.
Die Aufteilung des Herzogtums
Spanische und hollandische Truppen rucken nun gleichzeitig ins Land, die spanischen fur die Pfalz, die hollandischen fur Brandenburg. Da aber die Furcht vor einem allgemeinen Krieg uberwiegt wird am 12. November 1614 ein Vertrag zu Xanten uber eine geteilte Verwaltung mit Vorbehalt des Kondominats vermittelt. Der Pfalzgraf erhalt Julich und Berg, der Kurfurst von Brandenburg Kleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein. Doch bleiben die fremden Truppen im Lande; die Hollander halten die klevischen Festungen bis 1672 besetzt. Erst am 9. September 1666 schliesst der Grosse Kurfust Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm einen Erbvergleich auf Grund des Status quo, nach welchem ersterer Kleve und die Grafschaften Mark und Ravensberg, der Pfalzgraf Julich und Berg behalten und nach dem Aussterben des Mannesstamms der einen Linie die andere erben sollte.
'Neuzeit'
thumb|Maximaler franzosischer Ausbauplan von Julich Dieser letzteren Bestimmung wegen spielt die julichsche Erbfolgefrage noch einmal im 18. Jahrhundert in den europaischen Vertragen eine Rolle, als die Linie Pfalz-Neuburg dem Aussterben nahe ist und Preussen sich wenigstens die Nachfolge in Berg durch die Vertrage Friedrich Wilhelms I. mit Karl VI. zu Wusterhausen (1726) und Berlin (1728) sichern will. Osterreich erkennt dieses gegen die Garantie der Pragmatischen Sanktion an, verspricht aber gleichwohl in einem geheimen Vertrag 1738 der Linie Pfalz-Sulzbach die Succession in beiden Herzogtumern. Als Friedrich II. Schlesien gewinnt, verzichtete er auf seine Anspruche, und Julich fallt daher 1742 an die pfalz-sulzbachische Linie, die spater zu der Kurpfalz auch die bayrischen Lande erhalt. So bleibt das Herzogtum Julich im Besitz der Kurfursten von Pfalz-Bayern, bis der Luneviller Friede 1801 es an Frankreich abgibt, welches schon seit 1794 das Herzogtum besetzt halt.
Durch den Wiener Kongress erhalt Preussen 1815 das Herzogtum mit Ausnahme kleinerer Gebietsteile, die zur niederlandischen Provinz Limburg kommen, und bezieht es in die Preussische Verwaltungsgliederung ein. Es gehort zum Regierungsbezirk Aachen und zur Provinz „Julich-Kleve-Berg“, die zum 22. Juni 1822 aufgelost und mit der sudlichen Provinz „Niederrhein“ zur Rheinprovinz vereinigt wird.
Siehe auch
- Herzogtum Berg
- Herzogtum Geldern
- Herzogtum Kleve
- Kurfurstentum Koln
- Grafschaft Mark
- Vereinigte Herzogtumer Julich-Kleve-Berg
Julich, Herzogtum
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