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AUFGEBRACHTE AKTIONÄRE
'Eine Ikone ist Mercedes längst nicht mehr'
Von Michael Kröger
Scharfe Attacken der Investment-Profis, wütende Kleinaktionäre - die Hauptversammlung von DaimlerChrysler war für Konzernchef Jürgen Schrempp kein Spaziergang. Seinen Rechenschaftsbericht quittierten die Teilnehmer mit eisigem Schweigen. Zentraler Punkt der Kritik: Die Entwicklung bei Mercedes.

DDPDaimler-Chef Schrempp: 'Mercedes wieder dahin bringen, wo Mercedes hingehört'Berlin - Am Taxistand des Frankfurter Hauptbahnhofs zeigen sich die Probleme von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp gleichsam wie durch ein Brennglas. Statt der Werbung fallen auf einzelnen Mercedes-Taxis große Protestschilder auf. 'Nie wieder Mercedes', heißt der Slogan.
Fragt man die Fahrer warum, listen sie gleich eine ganze Reihe von Problemen und Ärgernissen auf. Da öffneten sich Fenster von selbst, Plastikverkleidungen lösten sich und sähen schon nach kurzer Zeit schäbig aus - häufig lege eines der unzähligen Elektroniksysteme das ganze Fahrzeug lahm.
Der Ärger hat sich längst herumgesprochen. Selbst Autofahrer, die noch nie einen Mercedes besessen haben, können inzwischen Anekdoten von Pannen während der Rushhour oder mitten in der Nacht erzählen. Der spektakuläre Rückruf von 1,3 Millionen Autos wegen Elektronik- und Bremsproblemen - der größte in der Unternehmensgeschichte - bildet nur den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung.
Ramponiertes Mercedes-Image sorgt Aktionäre
Die Qualitätsprobleme und das ramponierte Image der Marke Mercedes machten denn auch den Aktionären von DaimlerChrysler die meisten Sorgen, die sich heute zur Hauptversammlung in Berlin trafen. Was auf den Fluren und an den Tischen im Messezentrum ICC diskutiert wurde, brachten die Aktionärsschützer und einige Fondsmanager auf den Punkt. 'Eine Ikone ist Mercedes längst nicht mehr', sagte zum Beispiel Klaus Kaldemorgen, der Geschäftsführer der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS Investments. Die Qualitätsmängel seien jahrelang verdrängt worden.
REUTERSMercedes (auf der Hauptversammlung): 'Leichtfertig aufs Spiel gesetzt'Unter dem Beifall der knapp 8000 Aktionäre übte auch Thomas Meier, Fondsmanager bei Union Investment, massive Kritik an der Managementleistung des Vorstands: 'Die Marke Mercedes-Benz wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt', warnte Meier. Die Kosten zur Beseitigung der Qualitätsprobleme hatten im vergangenen Jahr zu einem Gewinneinbruch der Pkw-Sparte von Mercedes um nahezu die Hälfte auf 1,67 Milliarden Euro beigetragen.
Noch ist schwer einzuschätzen, wie sich die Enttäuschung der Kunden auf das Prestige der Marke auswirken wird. Während Kritiker sich auf Umfragen bezogen, die bereits jetzt einen herben Imageverlust von Mercedes belegen, verwies Konzern-Chef Schrempp auf andere Studien, die den Traditionshersteller unverändert als Premium-Marke einstufen. Doch die Verkaufszahlen geben eher den Kritikern Recht: Nicht nur die Frankfurter Taxifahrer bevorzugen inzwischen andere Marken, die Verkäufe von Mercedes brachen im ersten Quartal um neun Prozent ein.
Dauerbaustelle Smart
Auch die Konzerntochter Smart macht den Anlegern wenig Freude. Allein der Umbau der chronisch defizitären Kleinstwagentochter soll in den nächsten Monaten bis zu 1,2 Milliarden Euro kosten.
DDPSmart-Produktion (in Hambach): 'Ein verzweifelter Kraftakt''Ein verzweifelter Kraftakt', kommentierte Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die geplante Sanierung. 'Da wird gutes Geld schlechtem hinterher geworfen', erklärte er. Die Konzernführung habe sich verzettelt. Er empfahl Schrempp, sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Damit lasse sich Geld verdienen, wie der Blick zum Münchner Erzrivalen BMW.
Auch Kaldemorgen sieht Schrempp mit Smart auf dem Holzweg. 'Ein Kleinwagen mit nicht wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen', urteilte er. Die Konzernführung habe, genauso wie bei den Qualitätsproblemen bei Mercedes, viel zu spät reagiert.
'Handwerklich nicht in Ordnung'
Schrempp reagierte geschmeidig auf die Kritik: 'Ich gebe zu, dass das eine oder andere handwerklich nicht in Ordnung war', sagte er. Um anschließend jedoch sofort auf die wenigen Lichtpunkte des Geschäftsjahres hinzuweisen. Chrysler etwa habe mit Modellen, wie der Limousine 300, sensationelle Erfolge erzielt. Er verwies auch auf das Ergebnis im Jahr 2004, das um 1,9 Milliarden Euro besser ausgefallen sei. Der Nutzfahrzeugbereich entwickele sich trotz der Belastung durch Qualitätsprobleme bei Fuso ebenfalls sehr erfreulich.
ZUM THEMA IN SPIEGEL ONLINE
Jürgen Schrempp im SPIEGEL-Gespräch: 'Diese Diskussion um Qualität ist nicht gut' (04.04.2005) Brandrede des Porsche-Chefs: 'Wir verarmen, wenn wir asiatisch werden wollen' (05.04.2005) Kleinwagenkrise: Daimler plante das Ende von Smart (01.04.2005) Rückruf von 1,3 Millionen Autos: Blamage für Benz (31.03.2005)
Auch für das Problem Mercedes stellte er eine schnelle Lösung in Aussicht, ohne jedoch konkrete Fragen zu beantworten. 'Wir werden Mercedes wieder dahin bringen, wo Mercedes hingehört.' Die Konzernführung arbeite mit Volldampf an den Qualitätsproblemen. Von einer zu späten Reaktion auf die Probleme könne aber keine Rede sein. 'Die Mercedes-Autos, die zurzeit aus den Werkshallen rollen, haben die beste Qualität, die wir je geliefert haben. Das ist das Ergebnis von zwei bis drei Jahren Arbeit'.
Forderungen, die Produktion des Smart einzustellen, trat Schrempp dagegen offensiv entgegen. 'Das Konzept ist einzigartig. Es gibt praktisch keinen Wettbewerber', sagte er über den Zweisitzer.
'Seit 2001 die gleiche Platte'
Einig waren sich der Vorstand und die Aktionärsversammlung in der Beurteilung der Entwicklung der DaimlerChrysler-Aktie. 'Keine Frage', räumte Schrempp gleich zu Beginn seiner Rede ein 'die Kursentwicklung ist eine Enttäuschung für Sie als Aktionäre - aber nicht weniger enttäuschend für uns selbst'. Seine ganze Hoffnung setzt der Konzernchef auf das Zukunftsprogramm 'Core' - ein eingängiger Name für die eigentlich selbstverständliche Zielsetzung: Umsätze rauf, Kosten runter.
ZUM THEMA IM INTERNET
DaimlerChrysler: Der große Vertröster (manager-magazin.de)
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Kein Wunder also, dass die Selbstkritik die Gegner diesmal kaum überzeugte. Schrempp hatte schon zu oft auf die gleiche Weise versucht, seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: 'Seit 2001 die gleiche Platte, und jedes Mal hat er eine neue Entschuldigung', kommentierte ein Zuhörer im Saal - seine Leidensgenossen nickten zustimmend.
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