Geld
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Geld ist ein allgemeiner Massstab, mit dem die Werte von Lieferungen und Leistungen verglichen werden konnen. Durch Verbriefung dieser Werte in gegenstandlicher Form (z. B. Geldschein oder Munzen) oder dokumentarischer Form (gespeicherte Daten uber Bankkonten) wird daraus ein in seinem Verbreitungsraum von einer Gemeinschaft anerkanntes Zahlungsmittel. Ein Zahlungsmittel dient grundsatzlich dem Begleichen von Schulden. Als Zahlungsmittel ist Geld ein Zwischentauschmittel, da nicht direkt Waren oder Dienstleistungen getauscht werden.
Man kann es auch als Vermittler ansehen, der den einstufigen, suchintensiven direkten Tausch von Waren und Dienstleistungen in einen zweistufigen Tausch umwandelt.
âGeldâ wird vorzugsweise in der Volkswirtschaftslehre behandelt (wie zumeist im Folgenden), jedoch auch in der Philosophie und Soziologie (âGeldsoziologieâ).
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1 Definition
2 Entstehung
3 Funktion
4 Geschichtliche Herkunft des Geldes
5 Heutige Geldschopfung
5.1 Prozess der Geldschopfung 5.3.1 Deflation 6 Arten der Geldmenge
7 Verwendung des Geldes
8 Missbrauch des Geldes
9 Legenden zum Geld
9.1 Geldschopfung 10 Volkstumliche Bezeichnungen
11 Geld in Philosophie und Soziologie
12 Literatur
13 Siehe auch
14 Weblinks
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Definition
Streng genommen ist Geld nur das, was gesetzlich als Zahlungsmittel unter Annahmezwang steht. Dieses sind meist bedruckte Scheine und Munzen mit Wertangabe, die jeder als Zahlungsmittel akzeptieren muss und die auch als Bargeld bezeichnet werden. Schecks und Sichtguthaben, bzw. Sichteinlage sind kein Geld, ubernehmen aber Geldfunktion. Sichtguthaben werden aber zur Geldmenge dazugezahlt, weil sie einen Anspruch auf Geld dokumentieren. Dieser Anspruch ist aber kein Geld, da Banken nicht verpflichtet sind, Sichtguthaben in voller Hohe als Geld vorratig zu halten. Giralgeld kann zwar die Funktion des Zahlungsmittels ubernehmen, der Empfanger ist aber nicht zur Annahme verpflichtet.
Entstehung
Geld entstand, um den Handel als universales Tauschmittel zu vereinfachen. Wahrend Geld fruher an wertvolle physische Tauschmittel wie z. B. Munzen aus Gold gebunden war, sind die Trager heute in der Regel aus an sich wertlosem Material (Banknoten aus Papier). Im internationalen Austausch bezeichnet man unterschiedliches Geld als Wahrung. Der Wert von Geld entsteht aus dem von ihm reprasentierten Gegenwert. Fruher wurden in Europa Gold und Silber als Wertgaranten fur das Geld hinterlegt. Dies ist heute nicht mehr gangig, und Geld reprasentiert den Wert von Gutern, die man damit erwerben kann. Damit wird auch klar, dass die Erstellung zusatzlicher Geldscheine und Munzen den Gesamtwert des in einer Volkswirtschaft umlaufenden Geldes nicht erhoht, sondern nur zu Inflation fuhrt.
Funktion
Dem Geld werden generell drei Funktionen zugeschrieben:
- Wertmessfunktion: Geld dient als Massstab, mit dem verschiedene Waren und Dienstleistungen verglichen werden konnen.
- Tausch- und Zahlungsmittelfunktion: Geld vereinfacht den Tausch von Gutern (Tauschmittel) und die Aufnahme und Tilgung von Schulden (Zahlungsmittel).
- Wertaufbewahrungsfunktion: In Geld lasst sich das Versprechen eines Gegenwerts fur andere Guter (Waren oder Dienstleistungen) speichern. In der meistverwendeten Geldform ist dies zunachst unbeschrankt moglich, und legt so die Grundlage fur die Geldmengenvermehrung durch Zins. Diese Eigenschaft ist jedoch problematisch, denn dadurch kann unkontrollierbare Deflation oder Inflation entstehen.
Als universelles Tauschmittel muss Geld zirkulieren. Dieses wird als Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bezeichnet. Damit Geld als Tauschmittel gut funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit hoch sein.
Als Wertaufbewahrungsmittel ruht das Geld. Es ubernimmt nicht mehr die Funktion als Tauschmittel. Die Funktion der Wertaufbewahrung bewirkt eine Reduktion der Umlaufgeschwindigkeit. Dieses sich widersprechende Doppelwesen des Geldes wird als Ursache vieler wirtschaftlicher Probleme angesehen.
Geschichtliche Herkunft des Geldes
Ursprunglich wurden Waren und Dienstleistungen direkt gegeneinander eingetauscht (Tauschhandel). Da dies auf langere Sicht wegen der hohen Transaktionskosten unpraktisch war, wurden Waren und Dienstleistungen in andere leichter tauschbare Waren eingetauscht (Warengeld). Das waren z. B. Muscheln (insbesondere Kauri-Muscheln die in den 50er Jahren noch zirkulierten), Tierfelle, bestimmte Steine, Salz oder Vieh. Dieses sind Formen pramonetaren Zahlungsverkehrs. (Das lateinische Wort fur Geld heisst pecunia 'Vermogen an Kleinvieh', von pecus Vieh, weil das erste romische Munzgeld den Wert eines Rindes verkorpern sollte). Aspekte der Lagerfahigkeit und der leichten Transportierbarkeit spielten bereits fruh, auch in Hinblick auf die Moglichkeit, Werte aufzubewahren, eine Rolle bei der Wahl des Materials. Bronze- und Silberbarren oder -drahte waren sehr werthaltig und leicht aufzubewahren. Das erste Geld wurde durch die Lyder zwischen 640 und 600 v. Chr. hergestellt. Um die Bezahlung von angeworbenen Soldnern zu vereinfachen, wurde Goldstaub einer bestimmten Menge zu Munzen zusammengeschmolzen und mit einer Pragung des Konigs versehen. Der letzte Lyderkonig Krosus gelangte dadurch zu dem Ruf, er sei unermesslich reich.
Kritik an der Entstehung von Geld aus dem Tauschhandel kommt von Vertretern der Debitismus-Theorie, insbesondere Paul C. Martin. Als Argument wird von ihm vorgebracht, dass das Einfuhren eines dritten Tauschgegenstands den Tausch zunachst sogar noch verkompliziert. Aus einer Transaktion werden dadurch zwei. Entscheidend sei vielmehr die Funktion des Geldes, die Zeit zwischen dem Bedarf an Ware A und der Produktion von Ware B zu uberbrucken. Daraus ergibt sich, dass Geld von vornherein keine Ware und kein Tauschgegenstand gewesen sei, sondern Zeichen fur ein Schuldverhaltnis.
Bis in das 18. Jahrhundert hinein waren die Wahrungen Europas uber den Edelmetallgehalt in ihrem Wert definiert. Die nationalen Munzstadten uberwachten neben der eigenen Produktion die auslandischen Pragungen â Uberbewertungen einer Wahrung traten auf, wenn Munzen international uber oder unter ihrem Metallwert gegeneinander verrechnet wurden. Immenses Probleme bereitete im praktischen Umgang mit Munzen an dieser Stelle der mutwillige Abschliff, bei dem Metall der Munze durch Abfeilen entzogen wurde. Hier mussten sorgfaltigere Pragungen der Munzen Einhalt gebieten, Pragungen, bei denen man an der Integritat der Rander sah, wenn Metall entfernt wurde. Noch grossere Probleme bereitete die Fluktuation der Edelmetallwerte untereinander. Hatten Wahrungen Gold, Silber und Kupfermunzen, so liess sich ihr Wert nicht stabil gegeneinander halten. Silber floss aus Spanien und England, da englische und spanische Handler Goldmunzen geringfugig grosseren Wert beimassen, als ihre internationalen Handelspartner dies taten â ein Problem, das sich im internationalen Handel ausweitete: In Asien sah man keinen Grund, die grosse Goldschatzung Europas nachzuvollziehen. Silber floss gegen Gold nach Asien ab. Die Losung des Problems wurde im fruhen 18. Jahrhundert in England die grundsatzlich Gold-basierte Wahrung, bei der die Bank of England versicherte, den jeweiligen Marktwert Goldes dem Besitzer einer jeweiligen englischen Munze jederzeit auszuzahlen. Die Probleme dieser Umstellung waren absehbar: Wie war gewahleistet, dass die Bank nicht mehr Munzen ausgab, als sie durch Goldbesitz deckte? Hier kam es in den 1730ern zu einer Vertrauenskrise, in der die Bank of England nur durch die Bereitschaft des Londoner Grosshandels gerettet wurde, der die Garantien ubernahm. Auf der anderen Seite entfiel nun jeder Anreiz zur Munzmanipulation und jede Wertverschiebung zwischen landesinternen Munzsorten, wie man sie zwischen goldbasierten Gunieas und silberbasierten Kronen im Lauf des 17. Jahrhunderts erfahren mitsamt einem unkontrollierten Abfluss von Silbergeld erfahren hatte.
Noch weit bis ins 19. Jahrhundert hinein waren einige Wahrungen - wie z.B. der US-Dollar - goldgedeckt. Sogar manche Banken, wie die Bank fur Internationalen Zahlungsausgleich in Basel konstituieren sich uber Aktien, die in Goldfranken definiert sind. Es ist also auch heute nicht selbstverstandlich, die Golddeckung aufzugeben.
- Zu den Fragen einer metallbasierten Wahrung und zum internationalen Fluss von Gold und Silber Isaac Newtons Berichte als Aufseher der Koniglichen Munze in London (http://www.pierre-marteau.com/currency/ed/newton-intro.html)
- Zu den Umrechungsverhaltnissen der metallbasierten Wahrungen siehe The Marteau Early 18th-Century Currency Converter (http://www.pierre-marteau.com/currency/converter.html)
Heutige Geldschopfung
Prozess der Geldschopfung
Auf einer theoretischen Ebene kann man zwei unterschiedliche Arten von Geld unterscheiden. Zum einen das Zentralbankgeld, das von der Zentralbank geschaffen oder vernichtet wird; hierzu zahlt auch das Bargeld. Zum anderen das Geschaftsbankengeld, das durch die privaten Geldinstitute entsteht oder verschwindet.
Geld kann durch das Zusammenspiel von Zentralbank, Geschaftsbanken, privaten Haushalten und offentlicher Hand erzeugt werden, man spricht hier von der Geldschopfung. Der haufigste Weg der Geldschopfung basiert auf der Gewahrung von Krediten.
Die Geschaftsbanken konnen Geld schopfen, indem sie ihren Kunden Kredite gewahren. Nach Gewahrung des Kredites schreibt die Bank dem Kreditnehmer einen entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto gut und der Kreditnehmer kann dieses Geld an andere Kunden der Bank oder Kunden anderer Banken uberweisen (Giralgeld). Durch diesen Vorgang wird Geld geschaffen, da auf der einen Seite Geld in Umlauf gebracht wird, auf der anderen Seite aber nur eine Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer (Schuldtitel) als Position in der Bilanz der Bank entsteht. Umgekehrt wird bei der Ruckzahlung des Kredites Geld vernichtet, da Geld zuruck an die Bank fliesst und gegen den Schuldtitel verrechnet wird.
Da das neu geschaffene Geld wieder als Basis fur weitere Geldschopfung dienen kann, gibt es theoretisch keine obere Grenze fur das von den Banken geschaffene Geld. Um diesen Vorgang zu kontrollieren, gibt es neben Bilanzvorschriften (keine Uberschuldung, Eigenkapitaldeckung) eine Mindestreservepflicht, d. h. die Geschaftsbanken mussen fur jedes Sichtguthaben ihrer Kunden einen bestimmten Prozentsatz (z. B. 1,5%) an Zentralbankguthaben halten (bei der Zentralbank hinterlegen).
Wenn das Eigenkapital der Bank und die Einlagen der Kunden nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in dem gewunschten Masse durchzufuhren, hat die Geschaftsbank die Moglichkeit sich Geld bei der Zentralbank zu leihen, man spricht von Refinanzierung.
Die Zentralbank kann Geld auch ohne die Vergabe von Krediten erzeugen, z. B. durch den Ankauf von Devisen, Edelmetallen oder Wertpapieren. Neben diesem Instrument hat die Zentralbank weiterhin die Moglichkeit aktiv Schuldtitel zu kaufen (Offenmarktpolitik) oder Kredite an die Geschaftsbanken zu vergeben. Die Vergabe von Krediten an die offentliche Hand ist im Euroraum seit der zweiten Stufe der Europaischen Wahrungsunion von 1994 verboten, d. h. der Staat darf sich kein Geld bei seiner Notenbank leihen. Ganz anders sieht es da in den USA aus: Dort machte beispielsweise am 17._November 2004 der Posten âU.S. Treasuryâ sage und schreibe 89.3% der gesamten Aktiva des Federal Reserve System aus. Der US-Dollar ist mit anderen Worten fast ausschliesslich durch die US-Staatsverschuldung 'gedeckt'.
Damit der Kunde einer Bank auch ausserhalb des Bankensystems Geschafte mit dem Geld abwickeln kann, werden von der Zentralbank (Notenbank) Geldscheine gedruckt, welche sich die Geschaftsbanken âausleihenâ (eigentlich Kauf mit Ruckkaufvereinbarung) konnen, um sie an ihre Kunden auszuzahlen (Bargeld).
Als Bank der Banken ubernimmt die Zentralbank auch die Verrechnung von Uberweisungen zwischen den Geschaftsbanken uber Zentralbank-Konten (Zentralbankgeld ZBG). Die verpfandeten Schuldtitel, fur die eine Geschaftsbank ZBG (Bargeld oder Gutschrift) erhalt, sind haufig auch durch die Bank selbst oder andere Banken emittiert worden.
Die Notenbank gibt Geld aber nicht umsonst ab. Sie erhebt eine 'Nutzungsgebuhr', die so genannten Zentralbankzinsen. Betragen die Zentralbankzinsen zum Beispiel 5% im Jahr und wird ein Titel verpfandet und erhalt die verpfandende Bank dafur 1000 â¬, so muss die verpfandende Bank nach einem Jahr 1050 ⬠zuruckzahlen. Diese Zentralbankzinsen gibt die Bank naturlich an den Kreditnehmer weiter und schlagt noch etwas drauf, so eine Risikopramie, Bearbeitungsgebuhren, Gewinnpramien usw. Am Ende entsteht daraus ein Endkunden-Zins von beispielsweise 8% im Jahr.
Das gesamte Geldsystem lasst sich in Form einer Bilanz darstellen. Auf der einen Seite steht das im Umlauf befindliche Geld, auf der anderen Seite die dafur aufgenommenen Schulden, die Wahrungs- und Goldreserven und die Wertpapiere im Besitz der Zentralbank. Jedem Giro-Guthaben und jedem Geldschein steht also entweder eine entsprechende Schuld oder ein anderer Aktivposten in der Zentralbank-Bilanz gegenuber.
Der Geldmarkt
Fur die leihweise Ubereignung von Geld besteht genauso wie fur Waren und Dienstleistungen ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Die privaten Haushalte und Unternehmen fragen Geld als Kreditnehmer nach und bieten es gleichzeitig als Sparer an. Das Bankensystem dient als Vermittler zwischen den beiden Gruppen und macht den Markt hierdurch effizienter, da sich Sparer und Kreditnehmer nicht mehr einzeln finden mussen. Diesen Dienst lassen sich die Banken mit der Differenz zwischen Guthaben- und Kreditzinsen entlohnen. Der Zins, der sich an diesem Markt herausbildet ist von Angebot und Nachfrage bestimmt und stellt im Prinzip den Preis der leihweisen Uebereignung des Geldes dar. Wollen viele Teilnehmer bei einem geringen Geldangebot welches leihen, so steigt der Zins und der Anreiz fur andere steigt, ebenfalls Geld auf dem Markt anzubieten. Umgekehrt sinkt der Zins bei geringer Nachfrage und grossem Angebot.
Ein Kreditnehmer erhalt Geld mit der Verpflichtung, den geliehenen Betrag plus Zinsen spater zuruckzuzahlen. Da Geld-Leihen also etwas kostet, sind Kreditnehmer bestrebt, ihr geliehenes Geld ertragbringend zu nutzen (das heisst: sofort fur Investitionen oder auch Konsum auszugeben).
Die Zentralbank nimmt auf den Geldmarkt Einfluss, indem sie entweder aktiv das Geldangebot im Rahmen einer so genannten Offenmarktpolitik beeinflusst oder uber den Zinssatz fur Zentralbankgeld indirekt auf Angebot und Nachfrage einwirkt. Bei der Offenmarktpolitik kauft die Zentralbank Wertpapiere und bezahlt diese mit Zentralbankgeld. Dem System wird so Geld hinzugefugt. Umgekehrt kann sie auch Wertpapiere verkaufen und dem System hierdurch Geld entziehen. Der Zinssatz fur Zentralbankgeld bzw. fur Einlagen bei der Zentralbank beeinflusst den Geldmarkt indirekt, weil er Anreize fur die Geschaftsbanken schafft, Kredite zu gewahren oder Einlagen bei der Zentralbank zu schaffen.
Steuerung der Geldmenge
Unabhangige Zentralbanken, das heisst solche, die nicht politisch kontrolliert werden, verfolgen im Allgemeinen ein konkretes und festes Ziel bei der Geldmengensteuerung. Dieses Ziel ist haufig die Preisstabilitat, d. h. die Bekampfung der Inflation. Um die Inflationsrate auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Mass (⤠3%) zu begrenzen, versucht die Zentralbank die Geldmenge synchron zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu halten, so dass das verfugbare Geld dem Wert der gehandelten Waren und Dienstleistungen entspricht. In Zeiten geringer Inflationsraten kann die Zentralbank weiterhin versuchen Sekundarziele, wie die Steigerung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums, zu verfolgen.
Deflation
Wenn die Geldmenge sinkt oder bei gleicher Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Gelds zuruckgeht, kann es zu einer Periode nachhaltig fallender Preise kommen, die als Deflation bezeichnet wird. Ein Ruckgang der Geldmenge kann z. B. durch Massnahmen der Zentralbank ausgelost werden (Zinspolitik). Die Umlaufgeschwindigkeit kann sinken, wenn die privaten Haushalte und Unternehmen zuruckhaltender bezuglich Konsum und Investitionen werden und Geld eher sparen als ausgeben.
Inflation
Umgekehrt kann es dazu kommen, dass die Geldmenge ubermassig wachst oder bei konstanter Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt. Hierdurch kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem verfugbaren Geld und den Waren und Dienstleistungen, die mit dem Geld bezahlt werden konnten. Dieses Ungleichgewicht fuhrt zu einem Anstieg des Preisniveaus, das man als Inflation bezeichnet.
Eine Zunahme der Geldmenge kann z. B. durch die Politik der Zentralbank (vgl. Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland) oder eine plotzliche Erhohung der Staatsverschuldung entstehen. Denkbar sind auch plotzlich veranderte Erwartungen der Verbraucher, die zu einem Abschmelzen der Sparguthaben fuhren.
Fiat Money
Alle Gelder, die so erschaffen werden (dies ist heutzutage praktisch immer der Fall), werden Fiat money genannt. fiat ist das lateinische Wort fur Es werde, denn dieses Geld kann einfach so erschaffen werden, ohne dass es eine Waren-Deckung hat, man also im Zweifel das Geld bei der Zentralbank in Waren eintauschen kann. Diese Eigenheit erlaubt es Zentralbanken auch, sich nicht an die eigenen Regeln zu halten, also z. B. Schuldtitel zu einem hoheren Wert als dem tatsachlichen als Deckung zu akzeptieren. Wenn dies der Fall ist, ist das Geld nicht mehr vollstandig durch Forderungen gedeckt, kann also beliebig nach Bedarf erzeugt werden. Es verkommt in diesem Fall zum Spielgeld, wobei alle, denen dies nicht bewusst ist (in der Regel die normalen Marktteilnehmer, insbesondere Verbraucher), so handeln, als ware es ernst, und somit den Spielern (in der Regel Regierungen) das Spielen erst ermoglichen. Aus diesem Grund hat die Geld-Erschaffung heutzutage praktisch immer eine politische Dimension.
Ist einmal ein Geld erschaffen, so konnen Geld-Surrogate erzeugt werden, die auf diesem Geld basieren. Zahlt man diese Geld-Surrogate selbst zu Geld, so wird von Geldschopfung gesprochen.
Arten der Geldmenge
Verschiedene Geldmengen werden unterschieden, je nach Laufzeit der Guthaben:
Die Geldmenge M0 ist das von der Zentralbank geschaffene Geld und besteht aus den Giroguthaben der Banken bei der Zentralbank und den im Umlauf befindlichen Munzen und Banknoten. Sie unterliegt dem direkten Einfluss der Zentralbank. Die Geldmenge M1 umfasst die Gelder, die jederzeit als Zahlungsmittel eingesetzt werden konnen, also Bargeld und Sichteinlagen (M1). M2 und M3 umfassen – nach einer moglichen Definition – zusatzlich innerhalb einer Obergrenze wandelbare Spareinlagen (M2) oder zusatzlich dazu Termingelder (M3).
Es ist immer noch strittig, was eigentlich als Geld gilt (zur Geldmenge gehort) und was nicht. Eine Meinung ist:
- Da Kontouberweisungen nicht diese Allgemeingultigkeit haben, sind sie genau wie andere Geldsurrogate wie Schecks, Kreditkarten oder Handelswechsel kein Geld auch wenn sie Geldfunktion ausuben konnen. Alle diese Surrogate sind vom Wert, d. h. der Kaufkraft des Bargeldes abhangig.
Verwendung des Geldes
Hat jemand Geld, so kann er im Wesentlichen folgendes damit machen:
- Das Geld kann ausgegeben werden (Konsum (Volkswirtschaft))
- Das Geld kann investiert werden (Investition)
- Das Geld kann in eine andere Wahrung getauscht werden (Umtausch)
- Das Geld kann einfach behalten werden (Wertaufbewahrung)
- Das Geld kann vernichtet werden (absichtlich oder versehentlich, zum Beispiel nach Wahrungsreform)
Die Summe des umlaufenden Geldes spiegelt die Verteilung des Sozialprodukts: Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Sozialprodukt, das er bekommen konnte, wenn er das Geld ausgeben wurde.
Karl Marx hat Geld in seiner Funktion als Kapital beschrieben, es ist fur ihn ein soziales, gesellschaftliches Verhaltnis.
Missbrauch des Geldes
- Falschung von Geld (Falschgeld)
- Geldwasche
- Silvio Gesell: Hortungsmittel versus Tauschmittel. Gedanken zur Beendigung der Zinsknechtschaft.
Legenden zum Geld
Geldschopfung
In Mythen und Marchen spielt das Geld durchaus eine Rolle. Die antike Sage, dass der kleinasiatische Konig Midas sich unkluger Weise von den Gottern gewunscht habe, alles, was er beruhre, musse zu Gold werden, und der deshalb zu verhungern und zu verdursten drohte, ist wahrscheinlich ein Echo der Tatsache, dass das Munzgeld historisch zuerst in Lydien gepragt worden ist.
Geldzerstorung
Die vielfach geausserte Behauptung, Geld sei ein offentliches Gut und die Zerstorung des Geldes ware somit strafbar, ist falsch. Es greift hier namlich der Paragraph 903 der burgerlichen Gesetzbuches, wonach der Eigentumer mit seinen Sachen grundsatzlich nach Belieben verfahren darf. Allerdings leistet die Bundesbank fur absichtlich zerstorte Geldscheine keinen Ersatz.
Volkstumliche Bezeichnungen
Auf Grund der Bedeutung des Geldes und der weiten Verbreitung gibt es zahlreiche Bezeichnungen und Redewendungen fur Geld. Einige davon sind:
- Kohle (Kohle wurde nach dem 2. Weltkrieg als Zahlungsmittel verwendet)
- Mammon (vom aramaischen aman = das, worauf man vertraut)
- Moneten (von Moneta; vgl. engl. money)
- Masade (russisch Geld)
- Penunzen (uber polnisch pieniÄ dz von lat. Pecunia)
- Zaster (stammt aus dem Rotwelschen und leitet sich von dem Wort 'saster' fur Eisen ab.)
- Papiergeld: Riesen (Tausender), Blauer/Hunni (Hunderter [zu DM-Zeiten]), Fuffi (Funfziger), Zwanni (Zwanziger), Scheine, Lappen
- Munzgeld: Heiermann (Funfmarkstuck), Groschen (10 Pf.), Zwickel (Zweimarkstuck, Zweieurostuck)
- Weitere: Asche, Bimbes, Eier, Kies, Kikerlinge, Klotze, Knaster, Knete, Koks, Kroten, Mause, Mucken, Moos, Ocken, Ocken, Piepen, Pimperlinge, Pinke, Pinkepinke, Pulver, Schabangas, Schnee, Schotter, Sickel, Steine, Taler
- geringer Betrag: Peanuts
- Fur Falschgeld: Blute, âfalscher Fuffzigerâ (in der Regel fur unehrliche Personen)
Geld in Philosophie und Soziologie
Selbst primitivste Volkswirtschaften kennen Geld. Es gab viele Versuche, utopische Gesellschaften zu entwerfen, die ohne Geld auskommen. Sie stammen von etwa von Robert Owen, Francois Babeuf und Pierre Joseph Proudhon. Sie alle waren aber mit einer Arbeitspflicht verbunden, die die Freiheit des Einzelnen einschrankt.
Etliche Klassiker (so Georg Simmel und Alfred Sohn-Rethel) haben bedeutende Beitrage vorgelegt. Beachtenswert ist die wissenssoziologische Analyse Sohn-Rethels, dass die abstrakte Wertform, die das Geld seit seiner Einfuhrung als Munzgeld im Lydien des 7. vorchristlichen Jahrhunderts verkorperte, auch denkerischen Abstraktionen in anderen Bereichen (so in der fruhen ionischen Naturphilosophie) angebahnt habe.
Literatur
- Helmut Creutz: Das Geldsyndrom, Wirtschaftsverlag Langen Muller, ISBN 3-54870-006-3 (auch als kostenloses E-Book hier (http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/index.htm))
- Bernd Senf: Der Nebel um das Geld â Zinsproblematik â Wahrungssysteme â Wirtschaftskrisen, Lutjenburg: Gauke, ISBN 3-87998-435-2
- Gunter Hannich: Sprengstoff Geld. Wie das Kapitalsystem unsere Welt zerstort, 2004, ISBN 3980852202
- Bernard A. Lietaer: Die Welt des Geldes, ISBN 340105287X
- Stephen Zarlenga: Der Mythos vom Geld â Die Geschichte der Macht. Zurich: Conzett, ISBN 3-905267-00-4
- Ottmar Issing: Einfuhrung in die Geldtheorie, Verlag Vahlen
- Wolfgang Weimer: Geschichte des Geldes, Suhrkamp Taschenbuchverlag
- Egon W. Kreutzer: Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre â Band II, EWK-Verlag
Siehe auch
- Demurrage (Finanzwesen)
- Freigeld
- Geldkreislauf
- Elektronisches Geld
- Kredit
- Geldanlage
- Falschgeld
- Hedgegeschaft
- Deutsches Geld
- Darlehnskassenschein
- Zahlung
Weblinks
Template:Wiktionary1 Template:Wikiquote1
- Katja Girschik: Geld als Determinante der Moderne in Georgs Simmels âPhilosophie des Geldesâ (http://socio.ch/sim/t_girschik.htm)
- Georg Simmel: Philosophie des Geldes (http://www.textlog.de/simmel_geld.html)
- Deutsche Bundesbank: Schulerheft fur die Sekundarstufe II âGeld und Geldpolitikâ (http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_sekundarstufe2.php)
- Geldmuseum der Deutschen Bundesbank (http://www.bundesbank.de/geldmuseum/)
- Geldmuseum der Osterreichischen Nationalbank (http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/geldmuseum.jsp)
- MoneyMuseum in Zurich (http://www.moneymuseum.com/)
- World Paper Money (http://aes.iupui.edu/rwise/notedir/mappage.html) alles Geld der Welt zum Anschauen
- âDie Geldfalle der Endzeitâ (http://www.mnr.ch/files/verlag/18786.pdf) (Wilfred Hahn uber den Mammon Geld aus christlicher Sicht)
- Dr. Matthias Schlicht: Geld und Ethik: (http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/geld_und_ethik.html) Vortrag im Rahmen der Reihe Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- Egon W. Kreutzer: Grundlagen und weiterfuhrende Texte zum Geld (http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Sammlung%20Geld.html)
- Federal Reserve Bank of Chicago: Modern Money Mechanics - A Workbook on Bank Reserves and Deposit Expansion (http://landru.i-link-2.net/monques/mmm2.html)
- Oesterreichische Nationalbank: Allgemeine Geldgeschichte (http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/allg_geldgeschichte/allgemeine_geldgeschichte.jsp)
- Richard Weinrich: Vexierbild Geld (http://www.richard-weinrich.privat.t-online.de/)
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