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Pilgerbericht II.

From Sterwiki

Aus Platzgrunden musste dieser Artikel Pilgerbericht des Heiligen Ignatius von Loyola in zwei Seiten aufgeteilt werden.

Die erste Seite findet sich unter: Pilgerbericht I.

Table of contents
1 Wende von Jerusalem

1.1 Jerusalem-Wallfahrten allgemein
1.2 Ziele, die Inigo mit seiner Jerusalem-Wallfahrt verband
1.3 Erste Wallfahrt des Inigo 1523
1.4 Jerusalem-Wallfahrt im Pilgerbericht

2 Studienjahre des Ignatius - Uberblick uber 10 Jahre Studium

2.1 Entschluss zum Studium
2.2 Faktischer Studienverlauf
2.3 Hinweise auf Ausbildungsordnung der SJ
2.4 Storungen der Studienzeit

3 Erste Exerzitienpraxis des Ignatius - Gelubde von Montmartre

3.1 Exerzitien-Praxis des Ignatius
3.2 Gelubde vom Montmartre

4 Heimatbesuch des Ignatius in Spanien - Urkirche der SJ in Oberitalien 1537

4.1 Spanienaufenthalt (Loyola – Azpeitia 1535-36)
4.2 Zeit in Oberitalien und Venedig 1537-38; BP 92ff.

5 Die Vision von La Storta

5.1 Was geschah in la Storta (historisch betrachtet)
5.2 Bedeutung der Vision fur Ignatius personlich
5.3 Bedeutung der Vision fur die Grundergruppe und spater den Orden

6 Weblinks

Wende von Jerusalem

Zunachst liegt der Akzent der Bekehrung des Inigo nur auf inneren Aspekten. Ab der Pilgerfahrt nach Jerusalem beginnt er mehr ausserliche Dinge zu schildern. - Wie greift Gott durch aussere Ereignisse in sein Leben ein und korrigiert? Dies zu erkennen wird fur ihn wichtig.

Jerusalem-Wallfahrten allgemein

Seit 4. Jh. verbreitet sich die ostliche Kirche im Heiligen Land. Verehrung der heiligen Statten, dort prachtige Liturgien. Dann aufkommende Jerusalem-Wallfahrt, die u.a. in der Ostkirche eine wichtige Rolle spielt. Franziskaner lassen sich sehr fruh dort nieder und fordern die Jerusalem-Wallfahrt in Europa und vor Ort. (Bis heute ist die Heilig-Land-Tradition bei den Franziskanern sehr stark). Im hohen Mittelalter uberrollt der Islam diese Tradition. Im Spatmittelalter wird das immer bedrangender. Nur noch wenige Christen sind im Heiligen Land (Orthodoxe Christen und Franziskaner). Damals war es im Abendland vielfach ublich, dass man eine Jerusalem-Wallfahrt in seinem Leben machte (Dauer in der Regel 1Jahr; Genehmigung in Rom durch den Papst; Schiffe von Venedig aus; Fuhrung im Heiligen Land durch die Franziskaner).

Ziele, die Inigo mit seiner Jerusalem-Wallfahrt verband

Bei Jesus sein, personliche Andacht an den „historischen“ Orten pflegen (Inkarnationsrealismus des Inigo) Den Seelen helfen. Erstmalige Erwahnung des Begriffes. Da es dort kaum Christen gab, wollte er dort wohl auch missionieren (bei Hochststrafe verboten) - Eigentlich will er keine Wallfahrt tun, sondern ubersiedeln fur immer. (Hintergrund: Mittelalterliche Kreuzfahrerspiritualitat: Ruckeroberung der Heiligen Statten / Heilig-Land-Romantik) Ideal der urchristlichen Wanderapostel [vgl. Zwei-Bannerbetrachtung EB 144ff.]

Erste Wallfahrt des Inigo 1523

Dominanz des Islam im ostlichen Mittelmeerraum. Angst vor Uberfallen und Schaden am eigenen Leib. Darum versammeln sich nur 21 Wallfahrer in Venedig, die sich von Handelsschiffen mitnehmen lassen. Einer von Inigos Pilgergefahrten ist Peter Fuersli (Zurich), der Tagebuch schreibt (vgl. Boehmer).

Jerusalem-Wallfahrt im Pilgerbericht

BP 35,4: Suche nach drei Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe. Inigo will ganz auf Gott vertrauen, gerade auch in ausserlichen Dingen. Darum nimmt er keinerlei Geld mit. Der ganze Jerusalem-Bericht ist ein Beweisstuck dafur, dass er 1. auf Gott vertraut hat und dabei blieb und dass er 2. von Gott nicht enttauscht, sondern gefuhrt wurde (vgl. Armutsexperiment).

Genese des Jerusalem-Beschlusses:

  • BP 08 traumerische Phantasien auf dem Krankenlager
  • BP 09 ernste Absichten zu Busserleben und Jerusalem-Wallfahrt
  • BP 11 Vorsatz, sich auf den Weg zu machen – Berichte, was er dafur alles abgibt.
  • BP 12 Absicht, von dort wieder zuruckzukehren
  • BP 42 Grosse Gewissheit in der Seele, dass Gott es ihm ermoglichen wurde
  • BP 45 Fester Entschluss, in Jerusalem zu bleiben. Eindruck, als wurde sein Plan in Erfullung gehen.

Menschliche Widerstande gegen Jerusalem-Wallfahrt:

  • BP 12 Widerstand seiner Verwandten
  • BP 40 Abraten in Rom von Personen, die ihn kennen.
  • BP 45 Guardian auf dem Zion rat ihm von einem Aufenthalt ab. Entschluss des Inigo bleibt fest, er bleibt stur.
  • BP 46 Provinzial der Franziskaner in Jerusalem droht ihm die Exkommunikation an, wenn er ihm nicht Folge leistet. Er kommt zu der Meinung, dass ein Aufenthalt von Inigo nur Arger machen wurde. Inigos Entschluss kippt um. Obwohl er sich zwei Jahre lang darauf vorbereitet hatte. „Zweite Kanonenkugel“: Seine Plane werden zerschlagen, alles wird ihm umgeworfen, er muss sich zum zweiten Mal ganzlich neu orientieren.
  • BP 50,3 erstmalige Erwahnung von der Einsicht in Gottes Willen. Widerstreit von zwei Prinzipien: 1. subjektive Gewissheit durch Gebet auf dem Montserrat und 2. objektive kirchliche Autoritat, die sich durchsetzt. Erkenntnis: Nachgeben der objektiven kirchlichen Autoritat. Fur die Zukunft weiss er, dass seine Entscheidungen durch die objektive kirchliche Autoritat entweder bestatigt oder widerlegt werden. Darin erkennt Inigo den Willen Gottes, uber die eigene subjektive Gewissheit hinaus (Verkirchlichung seines Weges). [vgl. Brief an Teresa Rejadella (Briefwechsel S. 27): Verallgemeinerung der Herangehensweise, den Willen Gottes fur sich zu entdecken: 1. inneres Verspuren; 2. Abgleichen mit kirchlichen Gesetzen und Geboten, „denn derselbe Geist ist in allen Dingen“ (das Positive und die Aufrichtigkeit von beiden Seiten vorausgesetzt!)]
  • BP 50,3 Entschluss, nach Barcelona zuruckzukehren, zu studieren und den Seelen zu helfen. Hier ist erstmals die Grundung der Gesellschaft Jesu gedanklich angelegt.

Studienjahre des Ignatius - Uberblick uber 10 Jahre Studium

Entschluss zum Studium

„Zweite Kanonenkugel“ in Jerusalem; s.o. BP 50,3: Begrundung zum Studium, um den Seelen zu helfen. Das Studium warum darum notwendig, weil es zu einer inhaltlichen Auspragung des apostolischen Dienstes befahigen sollte. Bildung war also nutzlich auch fur Katechese und Verkundigung. Ignatius entwickelt sich vom charismatischen Pilger zum ausgebildeten Theologen, vom bettelnden Wanderer und Narr Gottes zum Mann der Kirche. Ungewohnlich war, dass er trotz seines hohen Alters noch mit dem Studieren begann, schliesslich standen etwa 10 Jahre vor ihm.

Folgen fur SJ: Ignatius wollte, dass alle Jesuiten gut studierten. Dadurch entsteht am Beginn der Neuzeit ein neuer Priestertyp: intellektuell und gebildet (vgl. Parallelen bei Martin Luther). Nach Trient setzt sich dieser Priestertyp in der ganzen Kirche durch – u.a. wegen Einrichtung von Priesterseminaren nach dem Vorbild der Jesuiten-Kollegien. [vgl. GK 34,26 Kennzeichen unserer Weise des Vorangehens: 553: Ignatius erkennt Notwendigkeit des Studiums fur den apostolischen Dienst. Verheutigung ...]

Faktischer Studienverlauf

1524 Februar: Ankunft in Barcelona, dort 2-jahriger Aufenthalt. Unterkunft bei Ines Pasqual, Versorgung durch Isabel Roser. Lehrer war Jeronimo Ardevol. Dort lernt er Latein und studiert Grammatik. Nebenbei allerlei Apostolat; geistliche Gesprache mit reichen Frauen, Reform einiger Frauenkloster. Kontakt mit sogenannten Erasmianern – humanistischem Gedankengut (vgl. Erasmus von Rotterdam von Rotterdam).

1526 Marz: weiter nach Alcala (Zentralspanien), Wohnhaft im Spital, einem Armenhaus mit Obdachlosenasyl. Studium der Artes (Grundausbildung mit vielen Fachern. Unsicher, wie viel er dort studierte, denn er machte viel nebenher, hatte vielleicht Kontakte zu den Alumbrados und deren Gedankengut.

1527 Juni/Juli: Umzug nach Salamanca; 2-3-monatiger Aufenthalt. Beruhmte Universitat. Wenige Tage nach seiner Ankunft wird er von den Dominikanern zum Essen eingeladen – dort wird ihm auf den Zahn gefuhlt. Sofortige Einkerkerung und Prozess. Urteilsspruch: Lehre und Sitten von ihm werden nicht beanstandet, er soll sich jedoch mit dem Apostolat zuruckhalten, da er noch nicht fertig studiert habe. (Urteil gilt nur fur die Diozese Salamanca). Ignatius erkennt das Urteil nicht an, will weiter im Apostolat dienen und zieht fort. 1527 September: Kurze Ruckkehr nach Barcelona.

1527/1528 Winter: Reise nach Paris zur beruhmtesten Universitat der Welt. Dort 7-jahriger Aufenthalt. Eintritt im Kolleg von Montegut (Art Wohnheim und Unterrichtsort; daruber hinaus besucht er Vorlesungen in der Stadt). Dieses Kolleg war eher konservativ ausgerichtet un dem Mittelalter verpflichtet. (Ehemalige Studenten: Erasmus und Johannes Calvin) Ignatius lernt nochmals Latein und Humaniora. Umzug ins Armenstift St. Jaques, weiterhin Studium am Kolleg Montegut. 1529 Wechsel an das Kolleg St. Barbe – beruhmt fur literarische und humanistische Ausbildung. Fur jeden Studenten war ein fester personlicher Professor vorgesehen; fur Ignatius ist das Dr. phil. et med. Juan la Pena, der erst 24 Jahre alt war (Ignatius ca. 40 Jahre); ebenfalls dessen personliche Schuler waren Peter Faber und Franz Xaver, mit den Ignatius zusammenwohnte. An diesem Kolleg studierte Ignatius Philosophie, kam wahrend dieser Zeit wohl mit lutherischem Gedankengut in Kontakt, das damals in Paris aktuell war. Er studiert aufs Baccalauriat und beendet mit dem Lizenziat. Mit 44 Jahren war er Magister artium (in der Philosophie) Ende 1533- Sommer 1535: Studium der Theologie am Dominikanerkolleg St. Jaques. Lehrbuch war die summa teologica von Thomas von Aquin. Studium der vom Nominalismus und dem Scotismus gereinigten Theologie. Gelesen wurden auch die Sentenzen des Petrus Lombardus. Vermutliche hort er auch einige Vorlesungen bei den Franzikanern.

Trotz der Kurze des Studiums war dieses sehr intensiv und effizient. 1536 wird ihm ein anderthalb-jahriges Studium der Theologie bescheinigt.


Hinweise auf Ausbildungsordnung der SJ

Gesamte Ausbildungs- und Studienordnung der SJ ist im wesentlichen gepragt von den Studienerfahrungen des Ignatius. Ab 1545 beginnt der Orden eigene Kollegien zu grunden, dort eigene Ausbildungsordnung. 1599 wird vom Gesamtorden die ratio studiorum fur alle Jesuitenkollegien der Welt erstellt (pragte damals auch das Studiensystem der westlichen Welt insgesamt).

modus parisiensis: Ab Spatmittelalter in Paris ein eigener Stil / eigene Padagogik an der Universitat: Einteilung der Schuler nach Leistungsniveau in einzelne Klassen. Schuler sollen selber lernen, denkne lernen, disputieren, wiederholen, ... (Ubernahme dieses Stils in die Studien- und Ausbildungsordnung der SJ)


Storungen der Studienzeit

Geistliche Bewegungen und Gebetszeiten BP 54/55

Ignatius hatte heftige spirituelle Erleuchtungen und Bewegungen. Er bemerkt zwar, dass ihn das erfullt, aber dass er auch gleichzeitig vom Studium abgelenkt wird (Versuchung unter dem Schein des Guten). Umstellung des geistlichen Lebensstils: Strukturierung des Tages.

Apostolische Tatigkeiten

v.a. in Acala hatte er intensive apostolische Tatigkeiten angefangen, jedoch er merkte, dass ihn das ablenkt. In Paris nimmt das fast ganzlich ab (Sprachschwierigkeiten waren hier wohl eher positiv forderlich furs Studium). Spater gilt auch fur den Orden: „Relative Trennung“ von Studium und Arbeit.

Konflikte mit der Inquisition Vgl. Referat

Ideal der Bettelarmut

Zunachst Versuch, durch Betteln den Studienunterhalt zu bestreiten. Dafur ging jedoch zu viel Zeit drauf, die er eher zum Studium brauchte. Dazu lange Wegzeiten und Hunger. Ignatius bemerkt, dass sich sein radikales Bettelapostolat nicht mit dem Studium vereinbaren lasst. Darum organisiert er Gelder, die er sich durch Bettelreisen nach Flandern und England erwirbt (reiche spanische Kaufleute). Zu radikales Armutsideal ist fur ein Studium hinderlich und damit auch fur ein spateres Apostolat, das doch auf ein ordentliches Studium angewiesen ist. Darum folgende Bestimmung fur die Kollegien: Diese durfen / sollen Pfrunde und feste Einkunfte besitzen, damit fur die Schuler und Scholastiker das Studium gesichert ist (benediktinisches Armutsideal).


Erste Exerzitienpraxis des Ignatius - Gelubde von Montmartre

Exerzitien-Praxis des Ignatius

In Alcala, 5 Jahre nach seiner Bekehrung beginnt Inigo selber Exerzitien zu geben. Er will das weitergeben, was er selbst erfahren hat. Es kommen Leute zu ihm, die ihn fragen. BP 57,2 Personen, denen er die GU gibt, kommen in ihm zu grosser Kenntnis und Geschmack, andere zu Versuchungen und anderen Phanomenen. Inhalt der gegebenen Exerzitien Inigo beschreibt selber sehr knapp, was er dort gemacht hat. Jedoch in den Untersuchungsprotokollen der Inquisition gibt es z.T. detaillierte Berichte daruber. Maria de la Flor sagt 1527 aus, was sich ungefahr als Exerzitienbild ergibt [vgl. Andreas Falkner: Die leichten Exerzitien in der fruhen Praxis des Ignatius und der Peter Faber, Heft 54 (1989) Exerzitien-Spiritualitat]:

  1. Am Morgen ½ std Auswahl an Texten (z.B. 10 Gebote, 7 Hauptsunden, 3 Seelenkraften, 7 Werke der Barmherzigkeit, 5 Sinne, kirchliche Gebote und Regeln, ...)
  2. Allgemeine Erforschung (examen generale) am Mittag und Abend
  3. Besondere Erforschung (examen particulare) bezuglich besonderen Fehlern
  4. Mundliches Gebet und wiederkehrende Gebete (Rosenkranz, Vaterunser, ...)
  5. Wochentliche Beichte und Kommunionempfang
  6. Sich richtig verhalten in den innerlichen Bewegungen der Geister (Unterscheidung der Geister)
  7. Ca. einen Monat lang dieses fromme Leben fuhren (Exerzitien im Alltag, vgl. GU 18,4ff.), gegebenenfalls weiterfuhren
  8. Regelmassig in dieser Zeit zu Gesprachen kommen.

In diesen Exerzitien im Alltag gibt er mehr oder weniger die 1. Woche der GU: Umkehr, Bekehrung, Sunden, ... . Diese Exerzitien im Alltag wurden dann uber Jahrhunderte vergessen. Exerzitien allein in geschlossenen Hausern und Gruppen. Seit ca. 15 Jahren wieder Exerzitien im Alltag.

Probleme beim Exerzitiengeben fur Ignatius: BP 57/58 Korperliche Phanomene, mit denen Ignatius nicht recht umzugehen weiss. Visionen bei den Exerzitanten und z.B. ubermassiges Fasten, was nach aussen hin fur Aufsehen sorgt. Fehler des Ignatius: zu steiler Einstieg bei manchen und es gibt immer wieder Menschen, die dem nicht gewachsen sind. In Paris gibt Ignatius nur noch solchen Exerzitien, die er sich als Gefahrten vorstellen kann.

Gelubde vom Montmartre

In Paris findet sich eine Gruppe von Gefahrten (7 Manner, meist ursprunglich junge Adlige). Peter Faber war schon Priester, die anderen Studenten der Theologie, die sich gewissermassen auf eine kirchliche Karriere vorbereiteten. Alle hatte Exerzitien bei Ignatius gemacht. Wunsch bei ihnen: Sie wollte ein armes Leben fuhren, radikale Umkehr, Anderung des Lebensstiles. Als Gruppe hatten sie regelmassige Treffen mit geistlichem Austausch. Am 15. August 1534 (Maria-Himmelfahrt) gemeinsames Ablegen eines Gelubdes in der Kapelle des Hl. Dionysios auf dem Montmartre in einer gemeinsamen Messfeier.

Art und Weise des Gelubdes: von dem Gelubde selber ist kein Text erhalten geblieben, aber fast jeder der Gefahrten schreibt spater einen Bericht daruber. Simon Rodrigues am ausfuhrlichsten (vgl. geistliche texte Nr. 9; Vom Werden und Wachsen der SJ)

Rekonstruierter Inhalt:

  1. Leben zum Nutzen der Seelen einsetzen
  2. evangelische Armut
  3. Keuschheit
  4. Jerusalem-Wallfahrt
  5. Falls 4. nicht klappt: Gang nach Rom und sich dem Papst zur Verfugung stellen

Gelubde bilden so etwas wie einen Kristallisationspunkt der Erfahrungen des Ignatius, die er in den 13 Jahren seit der „Ersten Kanonenkugel“ gemacht hatte. (Umkehr, den Seelen helfen, Exerzitien, Armut, Jerusalem, Gemeinschaft, ...)

  • neu: Alternative zu Jerusalem wird der Papst.
  • Feste Gruppe mit eigenem Stil und eigenem Beratungsvorgehen.
  • Leute, mit langem Bekehrungsweg und Exerzitien-Erfahrung.
  • Starker menschlicher und geistlicher Zusammenhalt der Gruppe (Ignatius zwar als charismatischer Fuhrer, jedoch ohne organisatorischer Fuhrungsrolle)
  • Festlegung auf Gelubde
  • Nicht Planung eines diffusen Eifer-Projektes, sondern durchdachtes gemeinsames Vorgehen
  • Gewisse Pragmatik in der Sache (Studium geht vor „den Seelen helfen“ / Armut ja, jedoch fur Studium und Jerusalem-Wallfahrt darf Geld angenommen werden / Ob Heidenmission in Jerusalem gilt es vor Ort nochmals zu entscheiden)
  • Interessant, dass Gelubde unmittelbar vor Empfang der Heiligen Kommunion abgelegt wurden (Aug in Aug mit dem Sakrament)

Erst am 27. September 1540 ist die eigentliche Ordensgrundung; auf dem Montmartre noch keine Hierarchie (ohne Gehorsamsgelubde, sondern nur Sendungsgehorsam gegenuber dem Papst), sondern einzelne Priester, die mehr oder weniger „nur“ Geistliches und Spirituelles verbindet.


Heimatbesuch des Ignatius in Spanien - Urkirche der SJ in Oberitalien 1537

1534 Gelubde auf Montmartre. Ignatius studiert noch ein weiteres Semester Theologie. Er wird krank. Arzte empfehlen ihm Heimatluft. Er akzeptiert von den Gefahrten kleines Reitpferd (Relativierung der Askese).

Spanienaufenthalt (Loyola – Azpeitia 1535-36)

Im BP begegnet uns ab 87ff. ein „neuer“ Ignatius. Nach 13 Jahren kehrt er erstmals nach Hause zuruck. Wandlung der Beziehung zu seiner Familie und seinen Verwandten. Bereits drei Jahre vorher hatte er mit seinem Bruder (Martin Garcia de Onas; Briefe 3) korrespondiert. In seinem Brief begrundete er seine radikale Trennung von seiner Familie:

  1. Die Trennung sei erstes Heilmittel, um radikal Jesus Christus nachfolgen zu konnen.
  2. Vermutung, dass seine Briefe wohl keinen Nutzen fur seine Familie gehabt hatten, um in ihnen den Lobpreis Gottes zu mehren.
  3. Weil er sieht, dass seine Familie zu sehr weltverhaftet sei. Er selber braucht dazu eine Distanz, um in sich ein neues Wertesystem und eine neue Form von Spiritualitat wachsen zu lassen.

Er will ohne Unterstutzung durch seine Familie leben und sich mit Bettel in Azpeitia seinen Lebensunterhalt verdienen. Das war in den Augen seiner Familie naturlich ein Skandal. Zwei Ausnahmen macht er auch hierin: Er verbringt eine Nacht auf dem Schloss in Loyola und er nimmt bei seiner Abreise ein Reittier an, jedoch nur bis an die Grenze der Provinz. [Auch spater bewahrt er sich seine distanzierte Haltung gegenuber seiner Familie. Beleg dafur kann sein, dass es kaum Briefe zwischen ihm und seiner Familie gibt.]

Ignatius’ Wirken in Azpeitia: BP 88f.

Er war dort Apostolisch wirksam (vgl. Norbert Briskorn; AHSI 49; 1980):

  1. Geistliche Gesprache: BP 88,1 Reden uber die Dinge Gottes (Spiritueller Hunger der damaligen Menschen. Gleichzeitig Angebot der Kirche mehr als durftig)
  2. Tagliche Katechese fur Kinder: BP 88,2 auf dem Marktplatz oder in kleinen Kirchen
  3. Offentliche Predigt am Sonntag: BP 88,4 (ausserhalb der Messe; in der Eucharistiefeier damals war die Predigt unublich).
  4. Haufige Beichte und Kommunion (vgl. seine Tatigkeit in Alcala).
  5. Verbot von Kartenspielen: BP 88,5 (nationales Laster, da um Geld gespielt wurde) hielt vielleicht 2 Jahre lang.
  6. Einrichtung einer offentlichen Armenversorgung BP 89,2 Anknupfung an eine

Bewegung, wie sie zu der Zeit uberall in Europa ublich war. Armenordnung ist zum Teil erhalten. Wichtig: Nicht er allein engagiert sich fur die Armen, sondern er erreicht, dass offentliche, gerechte Strukturen geschaffen werden.

  1. Kampf gegen das Konkubinat von Priestern: BP 88,6
  2. Einfuhrung des Angeluslautens: BP 89,3 dreimaliges Lauten mit Gebet gegen die Todsunden.

Fazit seiner Zeit Zuhause:

Ignatius zielt sowohl auf den Einzelnen (Forderung des sittlichen Lebens) wie auch auf die strukturellen Anderungen mit Hilfe der Obrigkeit (vgl. heute: Einsatz fur Glaube und Gerechtigkeit).

Zeit in Oberitalien und Venedig 1537-38; BP 92ff.

Marsch nach Venedig. Dort lebt er wiederum als Pilger und Bettler und ist auch apostolisch tatig (geistliche Ubungen). Seine Gefahrten brechen im Winter 1536 aus Paris auf; brechen ihr Studium ubersturzt ab, wegen kriegerischen Verwicklungen und Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Deutschland. Weg fuhrt sie u.a. durch lutherische Gebiete (Rheintal und Alpen; vgl. S. Rodriguez 32).

Im Januar 1537 treffen sie Ignatius nach uber einem Jahr der Trennung. Um ihr Gelubde der Jerusalem-Wallfahrt erfullen zu konnen, machen sie sich auf nach Rom und holen dort den Segen des Papstes ein. Dabei bekommen sie Kontakt zu reichen Leuten, die ihnen auch Geld fur die Uberfahrt zukommen lassen. Die Priester unter ihnen erhalten Pivilegien; die Nichtpriester lassen sich eine Weiheerlaubnis geben.

Im Juni 1537 sind sie mit allen erforderlichen Dingen zuruck in Venedig, jedoch es fahrt erstmals seit Jahren kein Schiff nach Jerusalem (BP 94,1). 1 Jahr Wartezeit in Venedig: BP 94ff.: Alle Gefahrten legen nochmals die Gelubde der Armut und der Keuschheit ab. Alle lassen sich „durchweihen“. Geweiht werden sie auf den Titel der Armut (BP 93,10); damit sind keine Pfrunde verbunden, andererseits gibt es aber auch niemanden, der sie vergleichsweise einem Bischof oder einem Orden versorgen musste.

Sie verteilen sich und verbringen in kleinen Gruppen die Zeit in Oberitalien. Dabei leben sie ausserhalb der Stadte in verfallen Hausern. Ignatius ist zusammen mit Peter Faber und Lainez in Vicenza (BP 94,3). Sie verbringen die Zeit dort, wie damals Ignatius in Manresa: Haufiges Gebet; jeder mit 40-tagiger zuruckgezogener Gebetszeit, wahrend die anderen betteln und in der Stadt u.a. mit grossem Erfolg predigen. Von den Leuten werden sie immer wieder gefragt, was fur eine Gruppe sie seien und wie sie sich nennen: Antwort: Compania de Jesus.

Das Jahr in Oberitalien wird spater im Orden das, was man das Terziat nennt (vgl. Wiederholung der grossen Exerzitien = 40 Tage Gebet) Im Verlauf des Jahres zeigte sich, dass es kein Schiff geben wird. Darauf trat der „Ersatzparagraf“ des Gelubdes vom Montmartre in Kraft. Im Fruhjahr 1538 machen sie sich auf den Weg nach Rom, um sich dem Papst zur Verfugung zu stellen.


Die Vision von La Storta

Im vorgegebenen Zeitraum war den Gefahrten die Uberfahrt nach Jerusalem nicht moglich; also betrachteten sie es als Willen Gottes. Sie gehen also nach Rom und stellen sich (wie im Gelubde von Montmartre vorgesehen), dem Papst zur Verfugung. 1537 Fruhjahr: Zu mehreren Gruppchen machen sie sich auf den Weg Richtung Rom auf. Ignatius ist zusammen mit Peter Faber und Diego Lainez. Auf diesem Weg wurden sie vielfach von Gott heimgesucht – La Storta ist nur eine Art Hohepunkt davon.

Uberblick: BP = Fuhrung Gottes

A: Innerer Weg des Ignatius (Umkehr und Radikalisierung)

B: Ausserer Weg (Jerusalem, Studium, Gelubde, Spanien, Italien, ...) - In la Storta finden diese beiden Weg zusammen. Ein 16-jahriger Weg der Fuhrung Gottes findet zu einem Ende, einem Ziel. Bestatigung du Abschluss!

Was geschah in la Storta (historisch betrachtet)

Einige Kilometer vor Rom liegt la Storta mit einer Kapelle, die immer noch existiert. Es gibt mehrere Berichte uber die Vision des Ignatius, die z.T. widerspruchlich sind (vgl. BP, Geistliches Tagebuch, Nadal, Lainez) Die wohl objektivste Darstellung ist die von Lainez. Er bekam die Vision in den Tagen danach von Ignatius direkt beschrieben, im BP wird Lainez als Zeuge dessen von Ignatius benannt und seine Beschreibung ist am detailliertesten. Lainez:

  1. Gottes Wort: „Ich werde euch in Rom gnadig sein“ / „Ich werde mit euch sein“. Ignatius weiss dieses Gotteswort nicht zu deuten. Er vermutet, dass sie in Rom &sbquogekreuzigt’ werden.
  2. Vision: Ignatius sieht Christus mit dem Kreuz auf der Schulter und den ewigen Vater neben ihm. Gott Vater zu Jesus: „Ich will, dass du diesen als meinen Diener annimmst!“ Jesus zu Ignatius: „Ich will, dass du uns dienst!“ Direktes Berufungswort, trinitarisch verankert. (Im BP stellt Gott Vater den Ignatius neben Jesus.)

Historisch bleibt als wahrscheinlich festzuhalten:

  • Gott Vater ist in der Vision der Handelnde
  • Ignatius wird von Gott dem kreuztragenden Christus zugestellt
  • Ignatius soll „UNS“ dienen (Verweis auf die Trinitat und die Apostolozitat)
  • Gott kundigt an: „EUCH“, den Gefahrten (der Gruppe) gnadig zu sein
  • Ignatius vermutet, dass das Kreuz auf Muhsale hinweist, die in Rom zu tragen sein werden

Bedeutung der Vision fur Ignatius personlich

Ignatius war auf der Suche nach dem, was er machen solle (innerlich) und lebt als Pilger auf der Suche nach seinem Ort fur die Nachfolge Jesu Christi (ausserlich). Jerusalem scheitert zweimal; es bleibt fur jedoch das Land als Inbegriff der Lebensrealitat Jesu, dem er ganz nahe sein will und in dessen Fussspuren er ihm dienen will. Sich dem Papst zu ubergeben hatte fur ihn die Bedeutung, sich dem Stellvertreter Christi zur Verfugung zu stellen. ('Aus Jerusalem wird Rom; aus dem historischen Jesus wird der Stellvertreter Christi und aus der Urkirche wird die verfasste Kirche.') Seine Suche kommt damit an ein Ende, an ein gewisses Ziel

Bedeutung der Vision fur die Grundergruppe und spater den Orden

1558 Lainez reist als Ordensgeneral zu verschiedenen Kommunitaten und halt mehrere Vortrage uber die Vision von La Storta. Fur ihn sind dabei drei Dinge wichtig:

  1. spirituelle Leadership des Ignatius
  2. das EUCH im Gotteswort in Bezug auf die Gesellschaft
  3. die Namengebung (Compania de Jesus)

Die ganze Gruppe versteht die Vision als Bestatigung ihrer Sendung: Mitarbeiten, Mitmuhen am Kreuztragen Jesu Christi) Dienst und Kreuzesannahme bedeuten Apostolat mit allen Konsequenzen „La Storta“ dient als Grundungsmythos fur den Orden, ist eine spirituelle Erfahrung eines Einzelnen, die fur eine Gruppe wichtig wird. Interessant, dass sich Ignatius mit der Deutung und Verbreitung sehr diskret zuruckhalt (Demut und Authentizitat). Trinitatstheologischer Charakter hier nicht spekulativer Art, sondern sehr praktisch und konkret: Sendungsauftrag Gottes und Jesu Christi in die Mission.

Die erste Seite findet sich unter: Pilgerbericht I.


Weblinks

  • www.jesuiten.de
  • Kurzbiografie: Ignatius von Loyola (http://www.martin-loewenstein.de/loy2001/texte02.html)

Kategorie:Wallfahrt Kategorie:Katholizismus Kategorie:Katholische Lebensgemeinschaft Kategorie:Jesuit

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