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SUCHMASCHINEN
Googles Anzeigen werden bunt und billiger
Von Christian Stöcker
Bislang sind Google-Anzeigen im Netz ungewöhnlich diskret: Nur Text, passend zum Seiteninhalt. Die Sensationsumsätze der letzten Quartale lassen die Suchmaschinisten nach mehr streben. Bunte, bewegte Banner will Google nun vertreiben - allerdings nicht auf der eigenen Seite.

APGoogle-Hauptquartier: Seltene DiskretionSo viel Diskretion ist eigentlich selten im Netz. Ein paar Wörter am rechten Bildrand, nichts blinkt, nichts zappelt: Googles kontextsensitive Textanzeigen sind ein Musterbeispiel an Unaufdringlichkeit. Äußerst erfolgreicher Unaufdringlichkeit, denn Google macht mit seinen Online-Anzeigen so gewaltige Gewinne, dass Börsenanalysten aus dem Jubeln gar nicht mehr herauskommen. Nun soll es mit der Diskretion vorbei sein - allerdings nicht bei Google selbst, sondern nur auf den sogenannten Partnerseiten des Unternehmens.
Der Reingewinn sei auf 369,2 Millionen Dollar Dollar gestiegen, teilte der im kalifornischen Mountain View ansässige Konzern kürzlich mit. Dies entspreche einem Gewinn je Aktie von 1,29 Dollar, nach 24 Cent im Vorjahr. Und das, obwohl Google tatsächlich nur dann kassiert, wenn auch auf einen Link geklickt wird. Die reine Page Impression, also die Tatsache, dass die Anzeige einem Benutzer ins Blickfeld gerät, kostet nichts - nur der gezielte Mausklick bringt bisher Geld in die Kasse des Suchmaschinenbetreibers. Die Preise der Textanzeigen sind nicht festgelegt, die begehrten Plätze an der Spitze werden versteigert (siehe Erklärung im Kasten).
Nach dem gleichen Prinzip verdient Google an den Textanzeigen, die auf Partnerseiten erscheinen. Von den Seitenbetreibern freigehaltene Spalten werden von Google mit Anzeigen befüllt, die zum Inhalt der Seite passen sollen. Ein Algorithmus analysiert den Seiteninhalt und befüllt die Felder entsprechend.

Anzeigen bei GoogleAlle kommerziellen Suchmaschinenanbieter verdienen Geld mit Werbeanzeigen. Google verzichtet anders als viele andere Anbieter vollständig auf Werbebanner und konzentriert sich auf so genannte AdWords.
So bietet etwa der Sportartikelversand Tennis-Müller bei Google für das Wort 'Wimbledon' den Betrag von fünf Euro. Wenn ein Websurfer nach 'Wimbledon' sucht, erscheint rechts neben den Suchergebnissen in einem kleinen Kasten die Anzeige von Tennis-Müller - es sei denn, die Firma wird überboten. Wenn etwa der Wettbewerber Tennis-Meier 5,50 Euro für 'Wimbledon' geboten hat, erscheint stattdessen seine Anzeige an erster Stelle. Bezahlen muss der Werbende allerdings nur, wenn der Surfer auch tatsächlich auf den Werbelink klickt.
Google hat dieses System inzwischen auf andere Webseiten ausgeweitet. Im Rahmen des so genannten AdSense-Programms können Unternehmen ihre Webpräsenz von Google durchsuchen lassen. Am Rand der Seite werden kontextspezifische Textanzeigen platziert.
Die Werbenden selbst haben dabei keinen Einfluss darauf, wo genau ihre Anzeigen erscheinen werden. 'AdSense' nennt Google das Verfahren, von dem gerade kleinere Webseitenbetreiber profitieren können: In Eigenregie könnten sie kontextsensitive Anzeigen weder anbieten noch entsprechend vermarkten. Mit Googles Zufalls-Zuteilung können aber auch sie an den Werbeetats großer Unternehmen verdienen. Seit dem vergangenen Jahr vertreibt Google auf diese Weise auch Bannerwerbung - allerdings vergleichsweise reduzierte, die wiederum hauptsächlich aus Text besteht und nicht animiert ist.
Nun soll das Zufallsprinzip gekippt werden, die Anzeigen sollen bunt und beweglich sein können - und auch das Prinzip 'Pay-per-klick' wird fallen. Google will seine mächtigen Profite noch weiter steigern, indem es seinen Kunden erlaubt, sich ihre Werbeplattformen selbst auszusuchen. Bunte Blinkebanner sollen auf Partnerseiten gebucht werden können, und auch die industrieübliche Bezahlung pro 'Page impression' wird das neue Angebot umfassen. Dabei kassiert der Seitenbetreiber auch dann, wenn der Link nicht geklickt wird, sondern nur ins Blickfeld des Nutzers gerät. Diese Variante ist billiger - aber wenn ein Konkurrent bereit ist, die teurere 'Pay-per-click'-Variante zu bezahlen, wird er weiterhin den Zuschlag bekommen.
Ein neues System mit diesen Zielen wird seit heute getestet. Man wolle 'so viele Bedürfnisse der Werbetreibenden berücksichtigen wie irgend möglich', sagte Tim Armstrong, bei Google Vice President für Anzeigenverkäufe.
Ein Werbetreibender könnte also von nun an gezielt versuchen, einen guten Platz im Webangebot einer beliebigen Google-Partnerseite zu ersteigern. Er kann dabei nach Angaben des Suchmaschinenbetreibers allerdings weiterhin überboten werden - auch von einem Konkurrenten, der nicht für diese spezielle Seite, sondern nur für eine zufällige Platzierung geboten hat.
DPAGoogle-Gründer Larry Page, Sergey Brin: 'Wünsche der Wirtschaft'Zusätzliche Kontrolle darüber, wo der eigene Name erscheint, könnte für viele Anzeigenkunden interessant sein. Durch unglückliche Platzierungen hat Google auch schon Kunden verloren: Wie das 'Wall Street Journal' berichtet, fanden Angestellte des Lebensmittelkonzerns Kraft Foods Inc. im vergangenen Herbst eigene Anzeigen, die über Google eingekauft worden waren, auf der Webseite einer laut Selbstbeschreibung 'weiß-nationalistischen' Gruppe. Kraft stellte daraufhin alle durch Google vermittelte Werbung ein. Solche Schnitzer können durch die gezielte Auswahl der gewünschten Plattform ausgeschlossen werden - wenn auch mit dem Risiko, dass man am Ende überboten wird und leer ausgeht.
Eine weitere Neuerung wird dafür sorgen, dass nicht mehr alle Google-Ads so diskret sind wie bislang. Auch animierte Bannerwerbung soll auf den Partnerseiten möglich werden - dann aber nicht kontextsensitiv. 'Auf Wunsch der Wirtschaft' habe man sich entschlossen, diese gewissermaßen traditionelle Werbeform mit ins Programm zu nehmen, so Stefan Keuchel von Google Deutschland. Man suche in der Wirtschaft jetzt 'Beta-Tester', die das neue Angebot ausprobieren wollen. Auch hierzulande startet der Test, was Holger Meyer, Managing Director für 'AdSales und
Operations' bei Google Deutschland, besonders freut: 'Erstmals wird so ein neuer Service nicht zuerst in den USA und England ausprobiert, sondern auch bei uns.'
Mit den neuen Angeboten folgt Google einem Trend, den man in den eigenen Unternehmensergebnissen entdeckt hat: Danach waren die Umsätze aus der Zusammenarbeit mit Partner-Sites um 75 Prozent auf 584 Millionen Dollar gestiegen.
Das erweiterte Werbeangebot soll Google zweifellos auch im Kampf um die Vorherrschaft auf dem Such-Markt helfen. Konkurrent Yahoo bestürmt vehement den Thron des Marktführers - und auch Microsoft hat erst vor wenigen Monaten einen eigenen Suchdienst gestartet. Letztlich wird nicht nur die Qualität der Suchalgorithmen, sondern auch die Effizienz der Vermarktungsstrategien über Wohl oder Wehe der Suchdienste entscheiden.
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