Hochkirchen
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Hochkirchen gibt es mehrfach, wie z.B. Koln-Hochkirchen
thumb|St. Viktor mit Pfarrhaus und Unterdorf
Hier geht es um Norvenich -Hochkirchen, einen 408 Einwohner zahlenden Ort im Kreis Duren in NRW. Ortsvorsteherin: Inge Radermacher CDU, 2 Geschafte, eine Gaststatte, Sportplatz mit Sportheim, Schutzenheim, einer uralten katholischen Pfarrkirche St. Viktor, einer Grundschule und einem Friedhof.
Der Kolner Erzbischof Anno II. wies vor dem 4. Dezember des Jahres 1075 dem Kloster Siegburg u.a. ein Drittel der Einkunfte von Hochkirchen zu. Das ist die erste gesicherte Erwahnung des Dorfes.
Das Dorf liegt direkt neben der Bundesstrasse B 477. Zum Hauptort Norvenich ist es gerade mal 1 Kilometer.
Ein Denkmal in Hochkirchen
Direkt an der Einmundung der Strasse „Am Fussfall“ in die Neffeltalstrasse steht ein grosses, ungepflegt wirkendes Denkmal.
thumb|Der Fussfall
Dieses Denkmal wird im Volksmund „Der Fussfall“ genannt. Uralte Kastanienbaume stehen neben dem grossen, aus Sandstein hergestellten Bildnis. Davor steht eine Bank, die von vielen Spaziergangern, aber insbesondere Radfahrern, im Sommer als gemutlicher Rastplatz genutzt wird. Direkt vorbei fuhrt namlich die ausgeschilderte Kaiserroute von Aachen nach Paderborn.
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, Herr Theo Fuhs, brachte mich auf die Idee, einmal uber den „Fussfall“ nachzuforschen. Er erwahnte hierbei Familie Poensgen, die in der Kirchstrasse in Hochkirchen die Gaststatte „Im Kirchspielkrug“ betreibt. Hier, aber auch in vielen anderen Veroffentlichungen wurde ich fundig. Mich hatte bisher immer gewundert, weshalb Familie Poensgen zur Fronleichnamsprozession den „Fussfall“ schmuckte, aber das klarte sich schnell, denn sie betreiben die Gaststatte dort, wo der Stifter des Denkmals wohnte. Sie besitzen auch noch etliche Originaldokumente aus dem 18. Jahrhundert, die dies belegen.
Gestiftet wurde der „Fussfall“ im Jahre 1771 von Jacobus (Jakob) Hamacher. Auf dem Denkmalsockel war im Jahre 1969 noch die lateinische Inschrift auf zwei Tafeln mit jeweils einem Chronogramm zu lesen. Sie hiess:
1. eX LargIs IaCobI haMaCher posIta fVIt DonIs (Aus einer hochherzigen Spende des Jako-bus Hamacher errichtet). Chronogramm: 1771
2. haeC CrVX DeVotIone aC proprIIs sVMtIbVs hVIVs pagI renVata. (Dieses Kreuz wurde aus Pietat und auf Kosten des Dorfes renoviert). Chronogramm: 1851
Bis zum Bau der Schule Hochkirchen, heute vierklassige Grundschule als Zweigstelle der Gemeinschaftsgrundschule Norvenich, stand das Denkmal an der heutigen Westwand der Schule und wurde dann an seinen jetzigen Platz umgesetzt. Die Flurkarte aus dem Jahre 1895 zeigt die Ortlichkeit.
Auf dem schweren Sockel liegt der unter dem Kreuz zusammengebrochene Christus. Er war farbig gefasst, genauso wie die auf den vier Seiten eingemeisselten Bilder. Diese vier Bilder zeigten Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi (schmerzhafter Rosenkranz). Nur auf der Westseite ist noch die Darstellung von Christus mit dem Kreuz erkennbar .
Trotz der von der Gemeinde bisher zwei Mal durchgefuhrten Steinhartung hat die Umweltverschmutzung ganze Arbeit geleistet. Die Kastanien, die das gesamte Denkmal uberdecken, tun ihr Ubriges zum Verfall. Details sind an dem gesamten Denkmal sonst nicht mehr zu erkennen.
Aber wie kam es nun zum Denkmal? Hierzu zitiere ich den bereits oben erwahnten Zeitungsartikel :
„Um das Jahr 1710 lebte in Hochkirchen neben der Kirche, dort, wo heute das Gasthaus „Im Kirchspielkrug“ steht, ein wohlhabender Mann. Er hiess Andreas Hamacher und hatte drei Sohne: Evert, Winand und Jakobus . Die Sohne sollten auch die Erben des vaterlichen Ver-mogens sein. Evert, der alteste der Bruder, zog in jungen Jahren als Handwerksbursche auf Wanderschaft. Winand und Jakobus blieben zu Hause. Fur die jungeren starb der Vater allzu fruh. Sie wurden unter Vormundschaft gestellt, wahrend Evert, zu der Zeit 22 Jahre alt, von seiner Wanderschaft noch nicht zuruckgekehrt war. Wegen einer Schuld von 150 Reichstalern betrieben nun die Vormunder der beiden Bruder den Verkauf des ganzen Anwesens, angeblich um das Besitztum der gerichtlichen Beschlag-nahmung zu entziehen. Aber der Erlos aus diesem Verkauf wurde nicht ausbezahlt. Der Landbote Schroteler publizierte den Verkauf des Hamacherschen Anwesens am 21. September 1727 durch Anschlag an der Kirche in Hochkirchen. Der Witwe des verstorbenen Andreas Hamacher mit ihren Sohnen Winand und Jakobus erlaubte man zwar, das Haus weiter zu bewohnen. Aber sie waren von nun an nicht mehr Eigentumer, sie mussten Miete zahlen. Harte Jahre der Not folgten und eines Tages setzte man die Witwe auf die Strasse, weil sie die Miete nicht aufbringen konnte. Ihr Sohn Jakobus war inzwischen nach Bonn verzogen. Menschliche Schicksale gehen oft seltsame Wege: am gleichen Tag, an dem man die Mutter aus dem Haus wies, kehrte Evert, der Alteste, endlich nach jahrelanger Abwesenheit aus Nancy nach Hochkirchen zuruck. Seine weinende Mutter traf er an der Stelle an, wo heute der „Fussfall“ steht. Er versuchte zwar, die Mutter uber das Ungeheuerliche hinweg zu trosten und zeigte ihr das auf der Wanderschaft zusammengesparte Geld, mit dem er das vaterliche Erbe zuruckgewinnen wollte. Seinen Brudern Jakobus und Winand ubertrug er alle Rechte und verlies 1753 Hochkirchen erneut, um in der Fremde fur den Ruckkauf des vaterlichen Erbes noch mehr Geld zu verdienen. In Hochkirchen folgten nun jahrelange Prozesse. Sie endeten damit, dass der Vogt des Schoffengerichts Norvenich die betrogenen Erben schliesslich wieder in altes Recht einsetzte . Doch Evert Hamacher, der Junggeselle bleib, war uber den langen Erbstreit alt und mude geworden. Er beauftragte einen jungeren Bruder Jakobus mit der Wahrung der Familienrechte. Jakobus, wie seine Vorfahren und Geschwister ein frommer und gottesfurchtiger Mann, liess im Jahre 1771 an der Statte des Zusammentreffens seiner Mutter mit seinem Bruder Evert das heute noch erhaltene Denkmal, den „Fussfall“, errichten. Der Tradition getreu wird das Denkmal jedes Jahr am Fronleichnamstag vom Besitzer des Gasthauses „Kirchspielkrug“ geschmuckt. Es ist eines der vier Segensstationen der Hochkirchener Fronleichnamsprozession.“
Soweit zur Entstehung des Denkmals „Fussfall“.
Aus einer Abschrift der Schulchronik Hochkirchen ist zu entnehmen, dass die Jugend auch schon vor hundert Jahren keinen Aufenthaltsort hatte und sich im Dorf traf, und zwar am Denkmal. Es wird namlich im Jahre 1900 berichtet, dass das Monument durch das Treiben der kleinen und grossen Jugend, die an demselben ihren Spielplatz aufgeschlagen hatte, sehr litt. Deshalb entschloss man sich, um das Denkmal herum einen Schutzzaun zu errichten, welcher im Herbst 1896 fertiggestellt wurde. Die Kosten beliefen sich auf 400 Reichsmark, wovon die Lehrerschaft durch ein Sammlung ca. 150 RM aufbrachte und der Rest von der Gemeinde ubernommen wurde. Der heute hier aufgestellte kniehohe Jagerzaun ist zwar nicht mehr der Originalzaun, zerfallt aber zusehends. Im Internet gibt es viele gleichlautende Definitionen des Ganges zu den „Sieben Fussfallen“ . Es ist die alteste Form des Kreuzweges -von Jerusalempilgern im spaten Mittelalter ins Rheinland vermittelt- wobei an sieben Wegkreuzen, Kapellen oder Heiligenhauschen jeweils einer Station des Leidensweges Christi in Jerusalem betend gedacht wurde. Seinen Namen erhielt der Bittgang von der Gewohnheit, sich an den einzelnen Stationen mit beiden Knien gleichzeitig zu Boden fallen zu lassen.
Wenn jemand im Sterben lag, gingen sieben Jungfrauen mit einer verheirateten Frau, in Hochkirchen war es zuletzt „Zopps Nies“, zu sieben Heiligenhauschen oder Kreuzen im Dorf oder in der Feldgemarkung und beteten den schmerzhaften Rosenkranz mit dem Zusatz: „Herr gib, was ihm selig ist, nimm ab von ihm, was ihm schadlich ist.“ Vereinzelt wurde dieser Brauch noch nach dem Ersten Weltkrieg hier ausgeubt, und zwar auch von Madchen aus Poll und Irresheim.
Uberall im hiesigen Raum, von Ostbelgien bis zum Sauerland gab es die „Sieben Fussfalle“.
Nach dem Denkmal “Fussfall“ in Hochkirchen wurde durch Ratsbeschluss der Gemeinde Hochkirchen vom 23. Februar 1965 die von Eggersheim her kommende, in die Neffeltalstrasse einmundende Strasse „Am Fussfall“ benannt .
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