Geschichte Irlands
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Dieser Artikel beschaftigt sich mit der Geschichte Irlands als geografische Einheit. Es existiert eine eigene Seite zur Geschichte Nordirlands seit der Teilung 1921 und ein Artikel zu weitergehenden Informationen uber den Nordirland-Konflikt.
Die Geschichte Irlands beginnt mit der Besiedlung einige Zeit nach dem Ende der letzten Eiszeit, ca. 6600 v. Chr. Etwa 300 v. Chr. erfolgte der Ubergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit. Wahrscheinlich ebenfalls um diese Zeit wurde durch vorwiegend keltischstammige Siedler eine keltische Sprache nach Irland eingefuhrt, die sich durch Vermischung mit der Sprache der Urbevolkerung zum Irischen entwickeln sollte.
Der Christianisierung im 4. und 5. Jahrhundert folgt die erste irische Blutezeit mit Klosterkultur, Missionierung und Hochkonigtum, die durch die Zuge der Wikinger beeintrachtigt wurden. Es folgten ab den Jahren 1169 bzw. 1171 die Eroberung durch die Normannen, die die kulturelle und politische Dominanz Englands in Irland einlauteten.
Die Unabhangigkeit Irlands von England wurde 1921 nach politischen und (para)militarischen Auseinandersetzungen (Anglo-irischer Krieg) erreicht. Die Nordirland betreffende Problematik wurde damals nicht gelost, und uberschattet die irisch-englische und innerirische Politik bis heute.
| Table of contents |
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1 Fruh- und Vorgeschichte
2 Irland im Mittelalter
2.1 Wikinger und die Irische Mission 3 Irland in der Fruhen Neuzeit
3.1 Plantations und Aufstande 4 Irland seit dem 19. Jahrhundert
4.1 Grosse Hungersnot und Home Rule League 5 Liste der irischen Staatsoberhaupter
5.1 Presidents of the Republic |
Fruh- und Vorgeschichte
Ireland-High-Cross.jpg
Am Ende der letzten Eiszeit, etwa 10.000 v. Chr., war Nordirland bei einem niedrigen Meeresspiegel uber eine Landbrucke an Schottland und von dort an das europaische Festland angebunden. Dies ermoglichte eine Besiedelung vom heutigen Kontinentaleuropa aus, die gegen 6.600 v. Chr. nachweisbar ist (erste Siedlungen im heutigen County Derry in Nordirland). Danach finden sich Spuren aus der Jungsteinzeitkultur (3.000 - 1.200 v. Chr.), wahrend der neben geschliffenen Steinwerkzeugen auch Hinweise auf Ackerbau gefunden wurden.
Auftreten sg. fulachta fiadh
Die Bronzezeit in Irland ist mit der ersten Suche nach Bodenschatzen (Zinn, Kupfer) verbunden. Sie beginnt hier etwa 800 v. Chr., und wird mit der Ankunft der Kelten (seit etwa 300 v. Chr.) durch die Eisenzeit abgelost. Um 150 v. Chr. ist Irland im Wesentlichen von der keltischen Kultur durchdrungen.
Nachdem Britannien teilweise vom romischen Reich besetzt wurde, fuhrten irische Fursten Uberfalle nach Britannien durch.
Die keltische Kultur Irlands endet mit der Christianisierung durch St. Patrick, nach deren Abschluss (etwa im Jahre 450 - 500) erste Schriftzeugnisse die Geschichte Irlands uberliefern.
Irland im Mittelalter
Wikinger und die Irische Mission
Die folgenden drei Jahrhunderte gelten als die Blutezeit des fruhchristlichen Irland, in denen Bildung und Kultur in Europa fuhrend waren. Auf Irland entstand eine eigenstandige keltische Kirche. Die Handschrift Book of Kells ist eines der bedeutendsten Kunstwerke jener Zeit, das heute noch erhalten ist. ...diese Blutezeit verdient eine ausfuhrlichere Darstellung...
Politische Uneinigkeit sowie Uberfalle der Wikinger (seit 795) lauteten das Ende dieser Zeit ein. Diese kamen aus Norwegen, hatten schon Orkney und die Shetlandinseln besiedelt, und erreichten danach Irland. Nach der ersten Zeit der Uberfalle begannen die Wikinger, permanente Siedlungen zu errichten. Diese waren die ersten eigentlichen Stadte in Irland, aus denen etwa Dublin, Wexford und Waterford hervorgingen.
Allerdings waren die Zuge der Wikinger kein einheitlicher Kriegszug; auch leistete Irland nicht geeint Widerstand. Die beiden dominanten irischen Herrschaftshauser waren die Ui Neill von Tara (Nordosten) und die Eoganachta von Cashel (Sudosten); diese und einige kleinere Hauser stritten miteinander um die Vorherrschaft. Beide Seiten verbundeten sich zeitweise mit Wikingern. Das Endergebnis vieler Kriege war eine Starkung und schliesslich Dominanz von Tara uber das restliche Irland, bei dem auch die Wikinger in Irland ihre Unabhangigkeit einbussten. Das Ende des 10. Jahrhunderts sah eine Ruckkehr zu einer geeinten irischen Regierung unter dem Hochkonig Brian Boru, der im Jahre 1002 alleiniger und unumstrittener Herrscher Irlands wurde und 1014 die Wikinger bei der Schlacht von Clontarf besiegte.
Im Fruhmittelalter waren irische Missionare in ganz Westeuropa tatig. Irland hiess auf lateinisch 'Scotia Major', und deswegen nannte man diese Monche auch 'Schotten' oder 'Iroschotten'. Zu den Klostergrundungen der 'Schotten' gehort u.a. das Schottenstift in Wien.
Man kann sagen, dass die Bedrohung durch die Wikinger sowie die Ubernahme uberlegener Waffen und die Entwicklung von Stadten und Seehandel in Irland einen Wandel bewirkte und eine neue Zeit einleiteten. Die Wikinger als Machtfaktor konnten sich nicht halten, ihre Kultur und Sprache dagegen hinterliessen ihre Spuren.
Das geeinte Irland erlebte in den folgenden 150 Jahren eine Zeit relativen Friedens, und machte Fortschritte in Kunst und Kultur (Literatur, Handschriften, Bauwerke im romanischen und gotischen Stil). Diese Zeit endete mit der Invasion der Normannen unter Henry II. im Jahre 1169, welche durch innerirische Konflikte ausgelost und gefordert wurde.
Die Anglo-Normannen
Die anglo-normannischen Invasion Irlands war das Ergebnis des Streites zweier irischer Kleinkonige, Dermot MacMurrough und Tiernan O'Rourke um O'Rourkes Frau. Der militarisch unterlegene MacMurrough floh nach England und weiter nach Frankreich, um Henry II., den Herrscher uber England und Teile Frankreichs, zur Eroberung Irlands zu bewegen.
Mit einem Unterstutzungsschreiben Henry II. konnte MacMurrough in Wales Normannen und Flamen zum Kriegszug bewegen. Der Fuhrer der Anglo-Normannen, Richard FitzGilbert (Strongbow genannt) errang dank uberlegener Militartechnik (Walisische Langbogen, Reiterei, Kettenrustungen) sowie irischer und wikingerischer Uneinigkeit einen relativ leichten ersten Sieg, der weitere Anglo-Normannen nach Irland lockte. Nach entscheidenden Siegen im Jahr 1169 erklarte sich Henry II. 1171 zum Konig von Irland und verteilte Landereien als Lehen an anglo-normannische Barone. Diese befanden sich uberwiegend im Osten der Insel. Die Barone sicherten ihren Besitz durch auch heute noch weithin sichtbare Burgen, und begannen, weitere Teile Irlands in Besitz zu nehmen.
Die geringe Anzahl der Eroberer, auch aufgrund anglo-normannische Interessen anderswo (Schottland, Frankreich), machten eine normannisch-irische Zusammenarbeit erforderlich. Die Anglo-Normannen beschrankten sich daher auf die Absetzung der irischen Fursten, und versuchten, eine Akzeptanz durch die irlandische Bevolkerung (d.h. Iren und Wikinger) in den besetzten Gebieten zu erreichen. Die folgenden Jahrzehnte sahen die Konsolidierung anglo-normannischer Vorherrschaft, mit der die erste zentrale Verwaltung Irlands (insbesondere unter Konig Johann Ohneland (John Lackland), 1199-1216) und die Grundung vieler Stadte einherging. Viele der bedeutenden Kathedralen Irlands stammen ebenfalls aus dieser Zeit.
Nur im Sudwesten und Nordwesten behielten irische Fursten die Kontrolle uber einige entlegene Furstentumer. Mit Ende des 13. Jahrhunderts konnten diese zusammen mit den Wikingern die anglo-normannische Schwache, bedingt durch mangelnde Unterstutzung aus England, ausnutzen. Es entstand erstmals eine einheitliche irische Bewegung, die auch einige militarische Erfolge verbuchen konnte (1261 bei Callan, 1270 bei Carick-on-Shannon).
Die fruhen Ansatze eines englischen Parlamentarismus strahlten auch auf Irland aus. Dort wurde 1297 das erste irische Parlament eingerichtet. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts kam es in Irland mehrfach zu Erhebungen gegen die englische Oberhoheit, die vor allem in Connacht aufflammten. Wahrend des Hundertjahrigen Kriegs konzentrierte sich das Konigreich England auf den franzosischen Kriegsschauplatz und vernachlassigte dabei die Durchsetzung seiner Herrschaft in Irland. Die darauf folgenden Rosenkriege schwachten die Bedeutung der irischen Insel in der englischen Politik noch starker. Erst als die dynastischen Konflikte durch das Haus Tudor beigelegt wurden, widmete sich die englische Krone verstarkt dem irischen Teil seiner Machtsphare. Das unter dem englischen Konig Heinrich VII. im Jahre 1494 geschaffene 'Poynings' Law' machte die Beschlusse des irischen Parlaments von der Zustimmung des englischen Konigs abhangig. Zu dieser Zeit ubte England faktisch nur die direkte Herrschaft uber den Pale aus, bei dem es sich um einen Landstreifen im Osten Irlands handelt.
Irland in der Fruhen Neuzeit
Plantations und Aufstande
Unter Heinrich VIII. wurde Irland 1542 direkt der englischen Krone unterstellt. Zudem wurden samtliche Kirchenguter auf der irischen Insel eingezogen, was auch in England seit dem Bruch mit der romischen Kirche und der Grundung der Anglikanischen Staatskirche durchgefuhrt worden war. Sowohl die Iren als auch die meisten Siedler aus anglo-normannischer Zeit verblieben aber beim katholischen Glauben. Heinrich VIII. befurchtete, das auslandische Machte wie Spanien das uberwiegend katholische Irland gegen England ausspielen konnten. Heinrichs Nachfolger Eduard VI. begann als erster englischer Konig mit einer massiven, gezielten Ansiedlung von Englandern im Gebiet ausserhalb des Pale. Diese Ansiedlungen wurden als 'Plantations' bezeichnet, was sich wortlich als 'Bepflanzungen' ubersetzen lasst.
Seit Ende der 1560er Jahre nahm die Ansiedlung von Englandern in Irland stark zu und wurde begleitet von militarischen Massnahmen gegen den vereinzelt aufkeimenden irischen Widerstand. Irland war zu dieser Zeit eine der ruckstandigsten Regionen Europas, in der es an modernem Kriegsgerat und einer starken Organisation fehlte. Trotzdem wurde der irische Widerstand gegen die Plantations immer effektiver, da die Iren eine Art Guerilla-Krieg fuhrten, auf den damalige Streitkrafte nicht eingestellt waren. Der gebirgige und bewaldete Charakter der Insel stellte dabei fur die Iren einen grossen Vorteil dar. Unter James Fitzmaurice Fitzgerald brach 1568 ein irischer Aufstand aus, der von den Englandern aber bis 1573 niedergeschlagen werden konnte. Der Earl of Desmond organisierte 1579 eine weitere Rebellion, die bis 1583 von englischen Truppen brutal erstickt wurde.
Zu einer ernsthaften Bedrohung fur die Englander wurde der irische Widerstand unter Hugh O'Neill, Second Earl of Tyrone. O'Neill gelang die Aufstellung eines aus etwa 10.000 Iren bestehenden Heeres. Diese Streitmacht war mit zahlreichen Musketen bestens ausgerustet, welche die Iren mit spanischem Gold in Schottland gekauft hatten. Die Iren wurden von Spanien nicht nur durch finanzielle Mittel, sondern auch durch die Entsendung von Festungsingenieuren unterstutzt. O'Neill setzte nicht nur auf die Iren galischer Abstammung, sondern versuchte zusatzlich die 'Alt-Englander' (Englische Siedler aus anglo-normannischer Zeit, die katholisch geblieben waren) fur seine Sache zu gewinnen. Aufgrund der in Irland vorherrschenden Armut dienten zahlreiche Iren als Soldner im spanischen Heer, wo sie wichtige militarische Erfahrungen sammelten. Unter O'Neill brach 1595 ein grosser Aufstand der katholischen Iren in Ulster aus und griff schnell auf ganz Irland uber. Ein zur Bekampfung von O'Neills Truppen ausgesandtes, englisches Heer wurde bei Clontibret uberraschend von diesen angegriffen und vernichtend geschlagen. Drei Jahre spater, am 14. August 1598, kam es bei Yellow Ford zu einer weiteren Schlacht, welche ebenfalls mit einer schweren englischen Niederlage endete.
Konigin Elisabeth I. setzte 1600 Lord Mountjoy als neuen Lord Deputy in Irland ein. Dieser sorgte im Norden Irlands fur die Vernichtung der Ernte und liess die dortigen Viehherden beschlagnahmen, um den Aufstandischen ihre Nahrungsgrundlagen zu entziehen. Mountjoys weiterer Vorstoss nach Ulster wurde jedoch von O'Neill und seinen Truppen vom 2. bis zum 3. Oktober 1600 am Moyry Pass gestoppt. Unterstutzung erhielt O'Neill am 21. September 1601 in Form von 3500 spanischen Soldaten, die in Kinsale an Land gingen. Englische Truppen unter Mountjoy begannen wenig spater mit der Belagerung der Stadt. Ende Dezember traf O'Neill mit seinem Heer bei Kinsale ein, um die Belagerung gewaltsam zu beenden. Der Versuch scheiterte, und die spanische Garnison kapitulierte. Nach einigen weiteren Kampfhandlungen handelte O'Neill 1603 einen Waffenstillstand mit den Englandern aus. Da sich Irland nun wieder ganzlich unter englischer Kontrolle befand, verliessen zahlreiche Angehorige des irischen Adels - darunter O'Neill - im Jahre 1607 ihr Heimatland, wobei man von der 'Flight of the Earls' (Grafenflucht) sprach. Zur Vergeltung fur den Aufstand wurden zahlreiche irische Grundbesitzer enteignet.
Zu einer bis in die heutige Zeit folgenschweren Entwicklung kam es unter Elisabeths Nachfolger Jakob I.. Unter dessen Regentschaft wurde seit 1609 die 'Ulster Plantation' durchgefuhrt. Im Zuge dieser Plantation wurden zahlreiche anglikanische Englander und presbyterianische Schotten in Ulster angesiedelt. Ulster entwickelte sich dadurch zum Kern englischer Herrschaft in Irland. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es in Irland zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der ein starkes Bevolkerungswachstum zur Folge hatte. Um ihre Herrschaft uber Irland zu sichern, erbauten die Englander unter Jakob I. Forts und Zitadellen in Stadten wie Cork und Kinsale. Die nordirische Stadt Derry wurde 1613 direkt der englischen Hauptstadt London ubertragen, befestigt und mit Englandern besiedelt. Ihr Name wurde in Londonderry geandert.
Vom Burgerkrieg bis zum Vereinigten Konigreich
Trotz der Besserung der wirtschaftlichen Lage waren viele katholische Iren aufgrund der politischen Entwicklung in England unter Konig Karl I. besorgt. Karl I. bekannte sich zum Anglikanischen Glauben, suchte aber eine Annaherung an die katholische Kirche. Auch der 1632 zum Lord Deputy in Irland ernannte Thomas Wentworth kam den Katholiken entgegen. Der englische Konig geriet jedoch in Konflikte mit dem Parlament, das stark von den puritanischen Abgeordneten beeinflusst war. Der Puritanismus war eine Glaubensbewegung, die eine Religion frei von jeglichen katholischen Elementen forderte. Als Karl I. 1641 Wentworth auf Druck des Parlaments hinrichten liess, furchteten die katholischen Iren die Durchsetzung von gegen sie gerichteten Repressalien durch die puritanischen Parlamentarier. Die galischstammigen Iren erhoben sich im November 1641 in Ulster zu einem Aufstand und richteten ein Blutbad unter den englischen Siedlern an, dem mehrere Tausend Menschen zum Opfer fielen. Der Aufstand erfasste nach kurzer Zeit grosse Teile der irischen Insel. Als Konig Karl I. im Januar 1642 die Verhaftung mehrerer gegen ihn opponierenden Parlamentarier anordnete, brach der Englische Burgerkrieg aus, der auch auf Irland ausstrahlte. Richtete sich der irische Aufstand zunachst gegen samtliche protestantische Englander und Schotten, ergriffen die Iren nach kurzer Zeit fur die Royalisten Partei.
Galische Iren, 'Alt-Englander' und royalistische englische Siedler grundeten 1642 die Confederation of Kilkenny, welche die Grundung eines katholischen, konigstreuen Irlands erstrebte. Ihren Truppen gelang die Eroberung eines grossen Teils der irischen Insel, doch wurden Ulster und Dublin von parlamentstreuen Englandern gehalten. Die in Irland angesiedelten, presbyterianischen Schotten schlossen sich der Confederation of Kilkenny 1648 an. In England selbst war in diesem Jahr die militarische Entscheidung zugunsten des Parlaments gefallen. Karl I. wurde im Januar 1649 hingerichtet und die Englische Republik gegrundet. Im Verlauf des Kriegs hatte der puritanische Abgeordnete Oliver Cromwell eine starke Machtposition erlangt. Er setzte sich im August 1649 an die Spitze eines Strafzugs gegen das aufstandische Irland. Dieser Strafzug wurde von Cromwell mit grosser Harte gefuhrt, was zunachst die von Aufstandischen verteidigte Stadt Drogheda zu spuren bekam. Am 11. September 1649 wurde sie von Cromwells Truppen gesturmt, wobei die gesamte Bevolkerung getotet oder deportiert wurde. Die Stadt selbst wurde zerstort. Cromwell verfuhr mit Stadten wie Wexford ahnlich, doch musste er Irland 1650 aufgrund der Lage in Schottland verlassen. Die von ihm zuruckgelassenen Truppen beendeten bis 1652 den irischen Aufstand.
Durch Cromwells Verwustungsstrategie waren weite Teile Irlands zerstort worden. Zahlreiche gefangen genommene Aufstandische wurden als Sklaven in die Karibik verschifft, wahrend ein erheblicher Teil der galischstammigen Grundbesitzer enteignet wurde. Da die Englische Republik Probleme bei der Besoldung ihrer Truppen hatte, bot sie ihren Soldaten als Entschadigung Grundstucke in Irland an. Auf diese Weise kam es zur Niederlassung von mehreren Zehntausend parlamentarischen Veteranen in Irland, die vor allem in Ulster siedelten. Dabei handelte es sich um Angehorige der New Model Army, die mehrheitlich uberzeugte Puritaner waren. Viele der enteigneten Iren sahen sich gezwungen, ihr Leben als Outlaws (Gesetzlose) zu bestreiten. Cromwell ordnete an, dass sich die galischen Iren nur noch westlich des Flusses Shannon ansiedeln durfen, also in Connacht - 'To Hell or to Connacht' wurde zum Motto dieser Politik.
Auf die Englische Republik und die puritanische Militardiktatur des Oliver Cromwell folgte seit 1660 die Wiederherstellung der Monarchie unter dem Haus Stuart. Konig Karl II. sympathisierte zwar mit dem katholischen Glauben, ordnete aber gegen Irland gerichtete, wirtschaftliche Massnahmen an. So durfte Irland seine Wolle nur noch nach England exportieren, was die irische Wirtschaft schwer traf. Zudem wurde Irland der Handel mit den englischen Kolonien untersagt. Auf Karl II. folgte 1685 dessen Bruder Jakob II., der sich offen zum Katholizismus bekannte. Dies fuhrte zu schweren Spannungen mit dem englischen Parlament, die sich in der Glorious Revolution von 1688 entluden. Jakob II. wurde durch seinen protestantischen Schwiegersohn Wilhelm von Oranien abgelost und floh nach Frankreich. Von dort aus setzte er nach Irland uber, um mit Unterstutzung der dortigen Katholiken wieder auf den englischen Thron zu gelangen. Wilhelm III. entschloss sich jedoch zu einem Feldzug gegen die irischen 'Jakobiten'. Am Boyne-Fluss kam es 1690 zur Entscheidungsschlacht, die mit einer Niederlage von Jakob II. endete. Jakob kehrte zuruck nach Frankreich, wo er einige Jahre spater verstarb. Zur Bestrafung der 'Jakobiten' erliess Wilhelm III. 1695 mehrere Gesetze, die zu einer Entrechtung der katholischen Iren fuhrten. Der irische Grundbesitz befand sich wahrend dieser Zeit zu uber drei Vierteln in den Handen von protestantischen Englandern, Schotten und katholischen 'Alt-Englandern'.
Im Jahre 1750 kam es zu einem grossen Aufstanden in Irland und es bildeten sich Organisationen wie die Irish Republican Brotherhood (IRB), gefuhrt von Lord Eduard Fitzgerald, und die United Irishmen, gefuhrt von Wolfe Tone. 1797 gab es dann einen grossen Aufstand der irischen Bauern, die ihre katholische Konfession nicht praktizieren durften. Beispiel: Wenn ein alter Priester heimlich eine Messe abhielt und die Briten dies herausfanden, wurde der alte Priester von den Briten mit korperlicher Gewalt dafur bestraft, anschliessend an einen Karren gebunden und durch die Gegend geschleift. Naturlich wurde er nach diesen Gewalttaten verhaftet - vorausgesetzt, dass er noch lebte.
Wahrend die Bauern zum Angriff ubergingen, uberredete Wolfe Tone Napoleon I. zu einem Kampf gegen die Briten in Irland und Napoleon schickte eine Flotte zur Sudkuste Irlands. Allerdings wurde diese 2000 Mann starke Truppe genauso schnell und blutig niedergeschlagen wie die Bauernaufstande im Rest des Landes. Die Anfuhrer wurden geschnappt und zum Tode verurteilt. Der Rest wurde verhaftet.
So wurde Irland 1801 dem Konigreich Grossbritannien angeschlossen, das von nun an Vereinigtes Konigreich von Grossbritannien und Irland genannt wurde.
Irland seit dem 19. Jahrhundert
Grosse Hungersnot und Home Rule League
Kartoffel-Missernten losten die 'Grosse Hungersnot' (engl. Great Famine) aus, die zwischen 1846 und 1849 zahlreiche Menschenleben forderte und eine grosse Auswanderungswelle nach sich zog. Insgesamt verringerte sich die Bevolkerung von ehemals 8.5 Millionen Einwohner auf nur noch 6 Millionen Einwohner. Die britische Regierung half praktisch nicht. Dadurch begann in der zweiten Halfte des neunzehnten Jahrhunderts die irische Unabhangigkeitsbewegung zu erstarken. Fuhrend darin waren Patrick Pearse, Michael Collins, Roger Casement und Eamon de Valera. Einige der ersten gravierenderen Proteste wurden von Daniel O'Connell organisiert, der 1828 als erster Katholik seit Beginn der Katholikenemanzipation ins Parlament des Vereinigten Konigreichs gewahlt worden war. Die britische Regierung benotigte 1843 sogar Truppen und Artillerie, um die bei Clontarf ausgebrochenen Aufstande niederzuschlagen. Eine weitere wichtige Unabhangigkeitsbewegung waren die Fenier. Sie veroffentlichten ihre Forderungen nach politischer Unabhangigkeit in der Zeitung 'The Irish People'. Sehr bekannt ist auch die 'Home Government Association' oder 'Home Rule League'. Die 1870 von dem Rechtsanwalt Isaac Butt gegrundete Organisation hatte das gleiche Ziel wie die Fenierbewegung und mit zeitweise bis zu 60 Abgeordneten im Parlament auch politischen Einfluss.
Im Mai 1914 verabschiedete das britische Unterhaus dann endlich die 'Home Rule Bill'. Irland sollte eine eigene Verfassung und Selbstverwaltung zugestanden werden. Vorhergehende Versuche zu einer Regelung waren noch 1913 aufgrund von Protesten aus der nordirischen Region Ulster vom House of Lords abgelehnt worden. Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wurde das Gesetz aber nicht vollstandig umgesetzt.
Irische Unabhangigkeit
Der fehlgeschlagene Aufstand Ostern 1916 loste einige Jahre Guerillakrieg in Irland aus. Sinn Fein, obwohl selbst nur unwesentlich am Aufstand beteiligt, wurde zum Sammelbecken der Unabhangigkeitsbewegung. Bei den Unterhauswahlen von 1918 gewann Sinn Fein 80% der irischen Mandate und bildete aus diesen Abgeordneten das First Dail, das erste irische Parlament seit 1801. Eamon de Valera wurde zum Prasidenten der Republik Irland gewahlt, und der Aufbau einer parallelen Regierungs- und Verwaltungsstruktur begann. Die britische Regierung erklarte das Dail unverzuglich fur illegal. Der folgende Anglo-Irische Krieg (1919 - 1921) fuhrte 1921 zum Anglo-Irischen Vertrag, der fur 26 der 32 Irischen Counties die Unabhangigkeit von Grossbritannien garantierte. Aus den Provinzen Munster, Leinster, und Connaught, sowie drei der neun Counties von Ulster wurde der Irische Freistaat (engl. Irish Free-State) gebildet. Die sechs nordlichen Counties von Ulster bilden Nordirland und blieben Teil des Vereinigten Konigreichs von Grossbritannien und Nordirland.
Burgerkrieg
Den von Michael Collins unterzeichneten anglo-irischen Vertrag, der die Teilung der Insel bedeutete, erkannten die Minderheit im Dail und der Prasident der Republik Eamon de Valera nicht an. Die Spaltung ging quer durch das Dail, die Sinn Fein und die Armee (IRA). De Valera trat als Prasident zuruck und fuhrte im darauf beginnenden irischen Burgerkrieg die republikanischen Rebellen gegen die neue, regulare irische Armee der von der Fine Gael (Stamm der Galen) gefuhrten Regierung an. Im Mai 1923 ergaben sich die republikanischen Krafte, Stabschef Frank Aiken ordnete an, die Waffen zu vergraben, wodurch der Burgerkrieg ein Ende fand. 1926 verliessen Eamon de Valera und seine Anhanger die Sinn Fein und grundeten die neue Partei Fianna Fail (Soldaten des Schicksals), deren Vorsitzender de Valera wurde. 1932 wurde seine Partei starkste Kraft im irischen Parlament und de Valera wurde zum irischen Premierminister (irisch Taoiseach) gewahlt.
Republik Irland
1937 kam es unter der Regierung de Valera zur Bildung der Republik von Irland durch die Annahme einer neuen irischen Verfassung ('Bunreacht na hEireann') in einem Referendum. Im Zweiten Weltkrieg war Irland neutral. 1948 trat die Republik aus dem Commonwealth aus. Irland war in dieser Zeit wirtschaftlich eher ruckstandig. 1973 erfolgte der Beitritt des Landes zur EG. Nach erheblichen Anpassungsschwierigkeiten kam es in den Folgejahren, nicht zuletzt aufgrund von Strukturgeldern der Europaischen Union, zu einem dauerhaften wirtschaftlichen Aufschwung. Irland erhielt den Beinamen 'Keltischer Tiger'.
Im Nordirland-Konflikt schlossen im Jahr 1985 Grossbritannien und Irland einen Vertrag, der Irland ein gewisses Mitspracherecht in Nordirland gab. 1994 rief die IRA-nahe Partei Sinn Fein einen einseitigen Waffenstillstand aus, der erste Friedensgesprache ermoglichte.
Die Prasidentin Irlands, Mary Robinson wurde 1997 Menschenrechts-Kommisarin der Vereinten Nationen.
Am 10. April 1998 schlossen die Regierungen Irlands, Grossbritanniens sowie die nordirische Parteien das Karfreitagsabkommen. Das Abkommen legte fest, dass der Verfassungsanspruch Irlands auf Nordirland aufgehoben wird. Einer entsprechenden Verfassungsanderung stimmen in einem Referendum 94% der Wahler zu.
2002 wurde in Irland der Euro eingefuhrt. Am 1. Januar 2004 ubernahm der irische Premierminister ( Taoiseach) Bertie Ahern fur ein halbes Jahr den Ratsvorsitz in der Eropaischen Union. Er fuhrte die Verhandlungen zur neuen Europaischen Verfassung erfolgreich zum Abschluss. Unter seiner Prasidentschaft kam es zur Erweiterung der Europaischen Union auf 25 Mitglieder.
Liste der irischen Staatsoberhaupter
bis 1921 waren die englischen Konige in Personalunion Konige von Irland bzw. seit 1801 Konige von Grossbritannien und Irland.
Presidents of the Republic
- Eamon de Valera (August 1921 bis Januar 1922)
- Arthur Griffith (Januar bis August 1922)
Governors-General of the Free-State
- Tim Healy, KC (1922 - 1927)
- James McNeill (1928 - 1932)
- Domhnall Ua Buachalla (1932 - 1936)
Uachtarain na hEireann (Staatsoberhaupt der Republik Irland)
- Douglas Hyde (1938 bis 1945)
- Sean T. O'Kelly (1945 bis 1959)
- Eamon de Valera (1959 bis 1973)
- Erskine Hamilton Childers (1973 bis 1974)
- Cearbhall O Dalaigh (1974 bis 1976)
- Patrick Hillery (1976 bis 1990)
- Mary Robinson (1990 bis 1997)
- Mary McAleese (Seit 1997)
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