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TV-UNTERNEHMEN Freundliche Übernahme Von Marcel Rosenbach Der Börsengang des Bezahlfernsehsenders Premiere soll der bislang größte im deutschen Mediengeschäft werden. Auch wenn die Aktie schon vor dem Start in der kommenden Woche überzeichnet ist: Die Risiken für Kleinanleger sind nicht gering.
REUTERSMedien-Manager Kofler: Neue ökonomische Abenteuer?Der Rahmen war für eine Verkaufsveranstaltung ziemlich feierlich: Scheinwerfer tauchten den großen Saal des Münchner Nobelhotels Bayerischer Hof in glutrotes Licht, auf den Buffets türmten sich Pyramiden aus Früchten, das Personal reichte Carpaccio und Lammkoteletts. So sieht es eben aus, wenn ein selbsternannter 'Premium'-Pay-TV-Kanal wie Premiere um Investoren buhlt, bevor er am 9. März erstmals an der Frankfurter Börse notiert werden soll. Auf Einladung der begleitenden Banken waren am Dienstagabend einige hundert Aktiendepotinhaber erschienen, um die Auftaktveranstaltung der Roadshow zu verfolgen - und zu entscheiden, ob das Papier des Pay-TV-Anbieters ins eigene Portfolio passt. Für Premiere-Boss und -Mitinhaber Georg Kofler sowie seinen Finanzchef Michael Börnicke waren Podium und Publikum keine besondere Herausforderung: Zum einen kennen sie sich aus im Kundenfang. Zum anderen hat das Duo 1997 schon den bislang größten Börsengang im deutschen Mediengeschäft durchgezogen - den von ProSieben. Glaubt man dem quirligen Manager, dem Verkaufsprospekt und den Studien der begleitenden Banken, dann gibt es über den Bezahlfernsehanbieter mit seinen 26 TV- und 21 Radiokanälen, der einst das Kirch-Imperium maßgeblich mit in den Untergang riss, nur zweieinhalb Jahre später sowieso nur Positives zu berichten. DER SPIEGELDer Turn-around? Gelungen - und 'einer der bemerkenswertesten der Mediengeschichte'. Der Umsatz? Plus sieben Prozent im vergangenen Jahr. Die Abonnentenzahl? Ein Zugewinn von 340.000 in 2004 - so viel wie noch nie. Das Ergebnis? Erstmals positiv, zumindest das vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), bei 82,9 Millionen Euro. Netto lag das Ergebnis indes bei minus 80,6 Millionen. Kofler kennt die Zahlen aus dem Effeff, spätestens in zwei Wochen wird er seine Präsentation auch rückwärts in Reimform singen können. Insgesamt 80 Termine umfasst seine Tournee - Abstecher nach Wien, London und zur Wall Street inklusive. Der Zeitpunkt für den Börsengang ist geschickt gewählt: Aktuell schlagen sich in Koflers Bilanz schöne Effekte wie die Einstellung des etwa 25 Millionen Euro teuren eigenen Programmhefts und neue Erlöse durch die Vermittlung von Abonnements für das Springer-Heft 'TV Digital' (bislang etwa 20 Millionen Euro) nieder sowie der Verkauf der Technik-Tochter dpc an SES Astra (42 Millionen). Außerdem profitiert er vom Schwung des traditionell starken vierten Quartals. Das Publikum in München schien denn auch durchaus beeindruckt. Es gab freundlichen Applaus und auch ein paar laute Lacher. Etwa als Kofler einem Frühaufbrecher vom Podium 'Auf Wiedersehen' hinterherrief und sein Finanzchef sekundierte: 'Der geht doch nur als Erster zeichnen.' Tatsächlich ließen sich auch große Fonds nach anfänglicher Skepsis offenbar überzeugen: Am vergangenen Freitag war das Papier Finanzkreisen zufolge laut Orderbuch bereits eineinhalb- bis zweifach überzeichnet. Von den Risiken der TV-Kofler-Aktie war in München naturgemäß kaum die Rede. Und wenn es nicht zu vermeiden war, spöttelte Kofler mit Lust darüber hinweg: In der neun Seiten langen Darstellung der Risikofaktoren im Verkaufsprospekt fehle eigentlich nur der Hinweis, dass uns allen auch der Himmel auf den Kopf fallen könne, witzelte er. 'Ich selbst hätte keinen Euro investiert, wenn ich derartige Risiken sehen würde.' Tatsächlich hat er selbst für seinen 20,46-prozentigen eigenen Anteil etwa 35 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt und auch ein Fünftel der Einstiegsverbindlichkeiten von 800 Millionen geschultert. Allerdings gibt er beim Börsengang jetzt reichlich Aktien ab - genau wie alle übrigen Altgesellschafter. Kofler will seinen Anteil auf 13,9 Prozent reduzieren, was ihm mindestens 70 Millionen Euro in die Kasse spülen dürfte. Die Beteiligungsgesellschaft Permira will ihren Anteil gar mehr als halbieren, genau wie die Banken (siehe Grafik). Gemeinsam wollen sie 42 Millionen Aktien aus Altbestand und einer Kapitalerhöhung platzieren - und damit de facto mit 51,3 Prozent Streubesitz die Mehrheit am Unternehmen. Premiere steht also vor einer freundlichen Übernahme, zumal alle Insider davon ausgehen, dass die jetzigen Eigentümer nach Haltefristen von einem Jahr für Kofler und sechs Monaten für die Finanzinvestoren erneut Kasse machen wollen. 'Eine echte Publikumsgesellschaft' wünscht sich Kofler. Und die deutsche Finanzbranche wünscht mit. Premiere ist der erste große Börsengang seit dem der Postbank. Auch außerhalb des Premiere-Managements redet da niemand gern über Unwägbarkeiten und Nebenwirkungen, auch wenn es sie durchaus gibt. So steht und fällt das Unternehmen mit exklusiven TV-Rechten, vor allem im Fußball. Die sind bei der Bundesliga und der Champions League derzeit bis Mitte 2006 sicher. Bei der WM 2006 erstreckt sich die 'Exklusivität' auf acht Spiele in der Vorrunde ohne deutsche Beteiligung - alle anderen sind auch im Free-TV zu sehen. Bei der Vergabe der Pay-Rechte an der Bundesliga profitierte Premiere bislang von seiner faktischen Monopolstellung, auch wenn ProSiebenSat.1-Eigner Haim Saban in der letzten Runde schon mal mitbot. In der nächsten Vergaberunde ist mit weiteren Bietern zu rechnen, was für Premiere nicht gleich den Verlust der Rechte bedeuten muss - wohl aber höhere Preise. Für mehr Exklusivität müsste Kofler die 'Highlight-Berichterstattung' im Free-TV miterwerben, die derzeit bei der ARD- 'Sportschau' liegt. Dann, so der interne Plan, könnte man sie ans Free-TV weiterverkaufen - mit der Auflage, sie deutlich später als jetzt oder gar erst sonntags zu zeigen. In anderen Märkten wie Frankreich ist das schon so, in Österreich hat Premiere vergangenen Sommer im frei empfangbaren Fernsehen einen späteren Sendetermin durchgedrückt. Auch die Sache mit dem Quasi-Monopol wird sich bald erledigt haben. Weil ihnen die klassischen Werbeerlöse wegbrechen, haben sowohl RTL als auch ProSiebenSat.1 gerade angekündigt, ebenfalls in das Bezahlgeschäft einsteigen zu wollen. Während RTL zunächst auf anderen europäischen Märkten loslegen will, plant ProSieben den Start in Deutschland noch in diesem Jahr - und kauft dafür gerade schon kräftig Pay-Rechte ein. Kabel Deutschland ist mit seinem 'Kabel Digital Home'-Paket aus 30 TV-Kanälen für neun Euro schon seit September im Spiel und will in diesem Jahr mehrere hunderttausend Kunden gewinnen. Auch die zunehmende Verbreitung von DSL könnte zum Problem werden. Schon heute bietet die Telekom im Internet über T-Online gegen Gebühr Filme, Bundesliga-Clips bereits 45 Minuten nach Abpfiff und Erotik auf Abruf. Zudem ist die Premiere-Aktie mit einem sich abzeichnenden Preis am oberen Ende der Spanne zwischen 24 und 28 Euro nicht billig. Der Kurs von ProSiebenSat.1, wo man vorige Woche ein Ergebnis von 133,6 Millionen Euro verkündete, notierte Ende vergangener Woche bei unter 15 Euro. Für die notwendige Premiere-Kursphantasie soll neben weiterem Abo-Wachstum vor allem mehr Umsatz pro Kunde sorgen. Der sei im vorigen Jahr von 260 Euro auf 286 Euro gestiegen, argumentiert Kofler. Stimmt - allerdings hat dazu maßgeblich eine Preiserhöhung beigetragen, die zwei Drittel aller Kunden betraf. Ob sich weitere intern geplante Preiserhöhungen etwa für die Film- und Sportpakete sowie neue Angebote wie ein konkret geplantes Komplett-Paket inklusive dreier hochauflösender HDTV-Kanäle für 55 Euro von November an durchsetzen lassen, bleibt abzuwarten: Immerhin müssen Premiere-Komplett-Kunden (45 Euro), die ordentlich ihre Rundfunk- und Kabelgebühren zahlen, schon heute für ihr Fernsehangebot mehr als 70 Euro im Monat berappen. Selbst der Vorstandschef birgt ein Risiko: Der Charismatiker, über den in diesen Tagen wieder viele schwärmerische Porträts erscheinen, gehört zu den Säulen des Unternehmens. Die kurzzeitige Umbenennung seines Premiere-Programmhefts in 'TV Kofler' hatte bei aller Ironie einen realen Hintergrund. Sollten er und seine Lebensgefährtin, Neun-Live-Chefin Christiane zu Salm, die parallel mit dem Verkauf ihrer Euvia-Anteile (drei Prozent) an ProSiebenSat.1 Millionen erlösen will, einst beschließen, bei Premiere Kasse zu machen, um sich in neue ökonomische Abenteuer zu stürzen, dürfte das dem Kurs nicht helfen. Dass die Vorstellung so absurd nicht ist, zeigte die Reaktion Koflers auf die Frage eines Finanzexperten im Bayerischen Hof. Was passiere, fragte der, wenn ein strategischer Investor wie Rupert Murdoch sich über den Markt die Mehrheit an Premiere sichern wollte? 'Ich würde davon ausgehen, dass er mich vorher anruft', scherzte Kofler. 'Eine gewisse Übernahmephantasie ist aber durchaus gewollt - wir würden ihn also herzlich willkommen heißen.'
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