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Knossos

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Knossos (griechisch Κνωσός; auch Knosos; lateinisch Cnossus oder Cnosus) war wahrscheinlich die grosste antike Metropole auf Kreta, etwa 5 km sudlich von Heraklion. Bekannt ist der Ort vor allem durch die grosse, aus minoischer Zeit stammende Palastanlage.

thumb|Palast von Knossos Der Palast von Knossos ist neben Malia und Phaistos die grosste der Palastanlagen auf Kreta.

Table of contents
1 archaologische Statte
2 Geschichte
3 Mythos
4 Deutungen
5 Zerstorungen
6 Entdeckungsgeschichte
7 Literatur
8 Siehe auch
9 Weblinks

archaologische Statte

Der jungste Palast von Knossos entstand als riesiges Gebaudeensemble von bis zu 5 Stockwerken mit einer umbauten Flache von 21.000 m² auf einer lichten Flache von 2,2 ha. 800 Raume sind nachweisbar, doch bis zu 1.300 durfte der Palast insgesamt besessen haben. Der Palast war zu keinem Zeitpunkt von einer Befestigungsmauer umgeben, an den Aussenwanden ohne erhaltenen Schmuck und ist, wie alle Palastanlagen der Minoer, um einen rechteckigen Zentralhof von 53 x 28 m errichtet, zu dem aus 4 Richtungen verwinkelte, vergleichsweise schmale Gange, reich dekorierte Korridore, herrlich bemalte Sale, aufwendig gestaltete Treppenhauser bzw. saulenumstandene Galerien fuhren.

thumb|right|erhaltene Wandmalerei von Knossos Diese Raume und Korridore sind in einer solch verwirrenden, chaotisch anmutenden Anordnung aneinandergefugt, dass sie wegen ihrer labyrinthischen Komposition weniger den Eindruck von Herrschaftsarchitektur, denn von mythisch-kultischer Architektur erwecken. Auch scheint es wenig wahrscheinlich, dass ein Konig die Werkstatten seiner Handwerker (Topfer und Steinschneider) und den Reichtum seiner 'Steuereinnahmen' (bis zu 400 z.T. mannshohe Pithoi, in denen Wein, Olivenol, Getreide und Honig aufbewahrt wurde, die ein Gesamtfassungsvermogen von ca. 78.000 Litern gehabt haben durften) mit allen davon ausgehenden Gerauschen, Geruchen und damit verbundenem Ungeziefer und dem taglichen Kommen und Gehen einer grossen Zahl von Menschen innerhalb seines Herrschaftssitzes anlegen liess, obwohl die Umgebung genugend Flache zu grosserem Abstand zur Verfugung gestellt hatte. Auffallend ist eine im rechten Winkel aufeinanderstossende Treppenanlage, wie sie auch in Phaistos zu finden ist, die einen Prozessionsweg abschliesst und als Theater fur ca. 500 Menschen gedeutet wird. Ausgerechnet diese Theateranlage befindet sich jedoch nicht innerhalb, sondern am Rande der Palastanlage.

Nach Ansicht von Archaologen durfte die Stadt im 16. Jahrhundert v. Chr. etwa zwischen 10.000 und 100.000 Einwohner gehabt haben. Bemerkenswert, dass obwohl Wohnraume mit Warmwasserheizung, Badezimmer mit Sitzbadewannen und Klosetts mit Wasserspulung ausgegraben wurden, zwar jeder Regentropfen auf dem Palastgelande durch sorgfaltig verlegte, konisch geformte Rohren aus Terracotta und abgedeckelte, steinerne Rinnen aufgefangen, aber in vergleichsweise kleinen Zisternen gesammelt wurde. Der in der Nahe vorbeifliessende Bach Kairatos, von dem einige Archaologen annahmen, er sei mit grossen Booten schiffbar gewesen, kommt als Trinkwasserversorgung fur eine so grosse Menschenmenge wahrscheinlich auch nicht in Frage, da er gleichzeitig moglicherweise als Transportweg, als Kloake oder zur Wasche gedient haben durfte. Eine grossere Anzahl von Brunnen ist auf dem Palastgelande nicht nachgewiesen. Grossere Raume, wie sie als Unterkunft fur Palastwachen an allen antiken Herrschaftssitzen nachweisbar sind, wurden im Palast von Knossos nicht freigelegt. Diese Uberlegungen sprechen dafur, dass der Palast von Knossos eher eine Kultstatte, denn ein Herrschaftssitz gewesen sein durfte, die sowohl von den entlang der Nordkuste Kretas befindlichen Orten, als auch von der Messara-Ebene uber die hier vorbeilaufende Strasse gut erreichbar ist.

Geschichte

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Knossos-palace-air.jpg
Luftbild des Palastes

Die Gegend von Knossos war schon wahrend des Neolithikums besiedelt. Alteste Siedlungsspuren der bis zu 8 m machtigen Siedlungsschichten konnen in das 4. Jahrtausend v. Chr. datiert werden. Indogermanische Einwanderer aus Kleinasien, die bereits uber eine hochentwickelte, matriarchale Kultur verfugten, wanderten im fruhen 3. Jahrtausend v. Chr. nach Kreta ein. Sie unterhielten wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Agypten. Am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. entwickelten sich kleinere Konigreiche auf Kreta, wie man aus den grosseren Palastanlagen in Phaistos, Malia, Knossos und Kato Zakros schliesst. Dabei erweist sich Knossos als besonders gross, reichhaltig und prachtig. Knossos wurde dabei ursprunglich auf einem seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelten, neolithischen Ort zwischen 2100 und 1800 v. Chr. errichtet.

Mythos

Nach dem von Homer ca. 700 Jahre nach der Zerstorung von Knossos uberlieferten Mythos herrschte im 16. Jahrhundert v. Chr. der erstgeborene Sohn des Zeus und der Europa, der sagenhafte Konig Minos uber Knossos. Er erweiterte den riesigen Palast, der den alteren Palast als unteres Stockwerk nutzte, um daruber mehrere, neue Stockwerke zu errichten, die ein Ensemble von wahrscheinlich ca. 1.300 Raumen entstehen liessen. Minos soll Gemahl der Pasiphae und Vater der Ariadne und des Androgeos sein. Der griechische Gott Poseidon schenkte dem Minos einen herrlichen, weissen Stier, den er Zeus opfern sollte. Da Minos der Stier so gut gefiel, dass er einen anderen Stier opferte, um ihn zu schonen und zu seiner Herde treiben liess, zurnte ihm Zeus und strafte ihn dadurch, dass seine Gemahlin Pasiphae diesen Stier begehrte und sich eigens dazu vom koniglichen Baumeister und Ahnherrn aller Kunstler Daidalos eine hohle, holzerne Kuh, die mit Kuhhaut uberzogen war, anfertigen liess. Daidalos brachte die holzerne Kuh zur Herde, woraufhin die darin versteckte Pasiphae mit dem gottlichen Stier den Stiermenschen Minotauros, ein menschenfressendes Ungeheuer, zeugte und gebar. Konig Minos liess uberraschenderweise dieses Ungeheuer mit menschlichem Leib und Stierkopf nicht toten, sondern beauftragte Daidalos mit dem Bau eines sicheren Verstecks, dem sagenhaften Labyrinth. Den Tod an seinem Sohn Androgeos bei einem sportlichen Wettkampf in Attika nahm Konig Minos zum Anlass, die Athener zu einem jahrlichen Tribut von 7 Junglingen und 7 Jungfrauen zu zwingen, die dem Minotauros geopfert wurden. Prinz Theseus verfugte sich freiwillig unter die Geiseln, um den Minotauros zu toten und den schaurigen Opferkult zu beenden. Als er nach seiner Ankunft auf Kreta Minos Tochter Ariadne kennenlernte, verliebten sich beide ineinander. Theseus vertraute ihr seine Absicht an und sie bot ihm seine Hilfe an, falls er sie heiraten und nach Athen mitnehmen wurde. Als er einwilligte, schenkte sie ihm das magische Wollknaul des Daidalos, mit dem er aus dem Labyrinth jederzeit wieder herausfand. Theseus gelang es mit Hilfe der Gotter, den Minotauros zu erlegen, den er dem Poseidon opferte, um daraufhin mit gottlicher Hilfe mit Ariadne und seinen Mitgeiseln unbemerkt von Kreta nach Naxos zu fliehen.

Deutungen

Der Mythos von Konig Minos scheint den Ubergang der matriarchalen Kultur der Minoer, die eine Erd-, Vegetations- und Fruchtbarkeitsgottin anbeteten und sich von allen ausgepragt matriarchalen Gotterverehrungen unter den altesten Ackerbaureligionen des Orients in Kreta am langsten und reinsten erhalten hat, auf die patriarchale Ordnung der viehzuchtenden Nomaden zu signalisieren. Der Stier nimmt in der minoischen Religiositat unter allen Gotterattributen eine Sonderstellung ein: Anfangs noch als heiliges Tier verehrt, bewirkte seine Unberechenbarkeit, das es als feindlicher Damon zum Opfertier wird. Moglicherweise wurzelten die minoischen Stierspiele, bei denen Junglinge und Madchen kultisch uber einen Stier springen, in dieser damonischen Auffassung vom Stier, dessen damonische Krafte symbolisch in den Stierspielen uberwunden wurden. Eine Darstellung dieser Stierspiele ist im rekonstruierten Teil des Palasts von Knossos zu finden. Sicher ist das uberdimensionale Kulthorn, das wahrscheinlich als Kultsymbol immer wieder an den Begrenzungen von Treppen und Terrassen des Palastes zu finden ist, nicht zufallig einem Stierhorn nachempfunden. Im etwa zeitgleichen Agypten, von dem sich die Minoer kulturell zweifellos beeinflussen liessen, wie die Prozessionsfresken in Knossos belegen, wurde der Sonnengott Re auf dem Rucken einer Himmelskuh zum Himmel transportiert. In den Pyramidentexten des Alten Reichs ist sie belegt und wird mit den Gottinnen Hathor und Neth identifiziert. Hohle, holzerne Tiere sind als griechische List durch Homer auch beim Kampf um Troja bekannt. Die verwinkelte Anlage des Palastes war mutmasslich der Ursprung der Legende vom Labyrinth (von labrys = griechisch Doppelaxt), in dem Theseus den Minotaurus totete. Die Doppelaxt ist ein auf den Palastwanden wiederkehrendes Motiv und konnte moglicherweise bedeuten, dass der Palast ursprunglich als Haus der Doppelaxt bezeichnet wurde. Erst vor einigen Jahren wurden in Knossos tatsachlich Beweise fur Menschenopfer gefunden: Auf dem Gelande hinter dem Stratigraphischen Museum entdeckte man Kinderknochen mit charakteristischen Schnittspuren. Kinderopfer gehorten auch zur phonizischen Religion, die ebenfalls anfangs matriarchalisch war. Man nimmt heute an, dass der Minotauros der griechischen Sage der oberste Priester als Reprasentant der kretischen Stiergottheit war. Der Sieg des Theseus konnte den Sieg der vom Festland nach Kreta einsickernden Achaer uber die Minoer und ihr Matriarchat symbolisieren.

Zerstorungen

thumb|right|Verfallene Teile des Tempels Wie alle Palaste Kretas wurde auch Knossos zwischen 1750 und 1700 v. Chr. durch ein schweres Erdbeben zerstort. Die minoische Kultur scheint trotz der desastrosen Zerstorungen durch das Erdbeben nichts von ihrer Lebendigkeit verloren zu haben. 1650 v. Chr. folgen kleinere Zerstorungen durch ein erneutes Erdbeben. Schon kurze Zeit spater, wahrend der zweiten Palastzeit (ca. 1630 bis 1400 v. Chr.), wurden auf den Fundamenten der alten Palaste neue, noch elegantere und aufwendigere errichtet. Knossos erfuhr dabei seine grosste Blute und entwickelt sich dabei zum ersten, der kretischen Stadtstaaten und vermutlich zum religiosen und politischen Zentrum der Insel. Knossos verfugte vermutlich uber die grosste und kampfstarkste Flotte, dessen Schiffe zu den phonizischen, agyptischen und peloponnesischen Hafen auslief, die Kykladen, Athen und den Nahen Osten ansteuerten. Gesichert ist, dass Knossos uber zwei Seehafen verfugte, einen bei Amnisos, den anderen an der Stelle des spateren Heraklion.

Der gewaltige Ausbruch des Vulkans von Thera/Santorin um ca. 1450 v. Chr., der mit einer gewaltigen Flutwelle die an der Nordkuste Kretas gelegenen minoischen Palaste zerstorte, hinterliess Knossos unversehrt. 50 Jahre spater uberstand die Stadt ein schweres Erdbeben dank der vertikal und horizontal in den Mauern eingebauten Zedernholzer nahezu unbeschadigt. Bis 1370 v. Chr. wurde der Palast benutzt. Vermutlich durfte die Macht der Minoer durch die Zerstorung der Flotte und aller nordkretischen Hafen starker gelitten haben, die von der Zuwanderung mykenischer Festlandsachaer begleitet wurde, die ihre Kultur verbreiteten. Eine Invasion der Achaer zu Beginn des 14. Jahrhunderts v. Chr. fuhrte jedenfalls moglicherweise in Verbindung mit einem Aufstand der bereits auf der Insel ansassigen Achaer zu einem vollstandigen Untergang der minoischen Kultur. Sie zerstorten alles, was Erdbeben und Flutwelle heil gelassen hatten. Ein Feuer, das mehrere Tage gewutet haben muss, bei dem Holz und Ol dem Feuer die notige Nahrung gab, zerstorte die obersten Etagen und viele aus Kalkstein und Gips hergestellten Wande. Einzelne, durch den Brand erhitzte Kalksteinquader erinnern heute an Backenknochen eines Mammut. Danach wurde der Palast aufgegeben.

Erst mit der griechischen Zeit wurde Knossos wieder besiedelt. 343 v. Chr. entsandte Sparta seine Soldaten gegen das sich mit Makedonien verbundet Knossos. Zwanzig Jahre spater geriet Kreta unter ptolemaische Herrschaft. 220 v. Chr. wechselte Gortys sich mit Knossos in der Rolle der kretischen Hauptstadt ab. Als die Romer 189 v. Chr. auf Kreta eintrafen, wurde Knossos noch einmal ab 150 v. Chr. Kretas Hauptstadt. 67 v. Chr. machen die Romer Gortys erneut zur Hauptstadt der neuen Provinz Creta et Cyrene, zu der neben Kreta auch die libysche Mittelmeerkuste gehorte. Seit 36 v. Chr. wurde es Kolonie unter dem romischen Namen Colonia Iulia Nobilis. Die griechische und romische Stadt lag in unmittelbarer Nahe des Palastes, doch ist sie nur zum kleinen Teil ausgegraben worden.

Entdeckungsgeschichte

Dem wohlhabenden kretischen Kaufmann, Juristen und Hobby-Archaologen Minos Kalokairinos gelang 1878 die Entdeckung Knossos. Er legte zwei Magazinraume mit darin befindlichen Pithoi und Kultgegenstanden frei. Der Mecklenburger Kaufmann und Troja-Entdecker Heinrich Schliemann, der den Palast von Konig Minos in der Nahe von Heraklion vermutete, besuchte 1886 gemeinsam mit dem Archaologen Wilhelm Dorpfeld das Terrain von Knossos. Dorpfeld bemuhte sich um die Genehmigung zu einer gross angelegten, archaologischen Grabung durch das Deutsche Archaologische Institut, dessen Direktor er wenig spater in Athen wurde, doch die turkischen Behorden verlangten einen den Deutschen zu hohen Kaufpreis.

1894 gelangte der Museumsdirektor, Ethnologe und Zeitungskorrespondent, der Englander Sir Arthur Evans auf der Suche nach vorgriechischen Schriftzeugnissen erstmals nach Kreta. Schliesslich begeisterte er sich fur die neu entdeckte, vorgriechische, minoische Kultur am Kefala-Hugel. Infolge des griechischen Befreiungskampfs gegen die turkische Besatzung konnte er die Flache durch Vermittlung des britenfreundlichen Hochkommissars erst am 16. Marz 1900 kaufen. Zwischen 1899 und 1914 grub Evans den Palast aus. Nahezu zeitgleich wurde in Phaistos, Kato Zakros, Palekastro, Gournia, Lato und der Zeus-Hohle Psichro mit Ausgrabungen begonnen. Arthur Evans verfugte uber genugend Geld, um sich seinen Lebenstraum der Ausgrabung Knossos zu erfullen. Finanziell beteiligte sich die neu gegrundete Cretan Exploration Fund-Stiftung.

Unterstutzt durch Dr. Duncan Mackenzie, der sich schon durch die Ausgrabungen auf der Insel Melos empfohlen hatte und Mr. Fyfe, den Architekten der Britischen Schule von Athen, beschaftigte Evans anfangs noch 30 Arbeiter mit den Ausgrabungen. Doch schnell wuchs deren Zahl auf 200, mit deren Hilfe er in Rekordgeschwindigkeit von nur 3 Jahren 20.000 m² des Palasts freilegte. Da ihn die Uberbauungen der mykenischen Zeit nicht weiter interessierten, wurden diese ohne Dokumentation abgetragen. Zu seinen aufregendsten Entdeckungen zahlen die farbigen, ausdrucksstarken Fresken, die eine hohe Zivilisation in ihrem Luxus reprasentieren. Ihre Kleidung erinnerte an keine vorhergehende, bekannte Zivilisation. Die Damenkleidung bevorzugte Puffarmel, schlanke Taillen und schmale Rocke. Die spezielle blaue Farbe der Kleidung weist auf Seehandel mit den Phoniziern hin. Die Fresken stellen z.T. Sportwettbewerbe, wahrscheinlich ritueller Bedeutung dar, in denen Junglinge und Madchen akrobatisch uber den Rucken eines Stieres springen. Das Herzstuck des Palastes ist der sogenannte Thronsaal, der aufgrund eines dort gefundenen Alabasterthrons so genannt wurde. An den Seitenwanden des Vorraums sind steinerne Banke aufgestellt. Eine kostbare Porphyrschale steht im Zentrum des Vorraums. Sie diente wahrscheinlich rituellen Waschungen. Andere Interpretationen deuten dies als Aquarium.

Evans eigenwillige Vorgehensweise bei der vorschnellen Benennung von Raumen, wie dem Thronsaal, dem Badezimmer der Konigin, der Karawanserei, dem Zollhaus u.a. trug ihm viel Kritik der Archaologen ein. Hierin sehen viele Archaologen die Suggestion einer Befundsicherheit, die keineswegs existiert. Seine kuhnen Restaurierungen sind deshalb hochst umstritten, da sie diese individuellen Interpretationen zementieren und weitere Forschung am Objekt (in sito) praktisch unmoglich macht. In seinem Bemuhen, die freigelegten und dadurch der schnellen Verwitterung zuganglichen Raume und Artefakte vor dem Verfall zu konservieren und dabei dem Betrachter eine Vorstellung des denkbaren Aussehens des ehemaligen Palasts zu geben, experimentierte er zunachst mit aus England und Skandinavien eingefuhrtem Holz. Als dieses nicht die erhoffte Langlebigkeit aufwies, setzte er den damals modernsten und langlebigsten Baustoff ein, Beton. Doch dieser ist viel schwerer als antike Gips- und Holzkonstruktionen und bedarf nach knapp hundert Jahren Besichtigungen Tausender Personen pro Tag laufender Restaurierung. Andererseits muss man Evans als Kind seiner Zeit ansehen, in der antike Ruinen im Geiste des Philhellinismus wiederhergestellt werden.

Aufgrund des weichen Steins kamen dem deutschen Geologen Hans Georg Wunderlich 1970 bei seinem Besuch von Knossos an der herkommlichen Auffassung der Palastanlage Zweifel. Zwei Jahre spater trug er seine neue Deutung in seinem Buch 'Wohin der Stier Europa trug' vor, in deren Mittelpunkt die These steht, die minoischen Palaste Kretas seien keine geistig-kulturellen oder politischen Zentren gewesen, sondern Nekropolen zur Bestattung der Toten. Das Fehlen einer Befestigungsmauer trotz der exponierten Lage deutete Wunderlich als Friedhofsruhe, wahrend die Schulauffassung dies als Friedfertigkeit der Epoche und die Wirksamkeit einer starken Flotte interpretiert. Brunnen, Wasserleitungen, Zisternen und Abflusskanale wurden von Wunderlich im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Toten auf die Einbalsamierung gedeutet. Badewannen wurden zu Sargen, Pithoi zu Grabstatten und die bunten Kannen mit langgezogenen Giessoffnungen zu Hilfsmitteln bei der Einbalsamierung der Toten. Die Lichtschachte des Palastes fasste er als Be- und Entluftungsschachte der Nekropole auf. Bis zu seinem Tod 1974 beherrschten Wunderlichs Thesen zeitweilig viele Diskussionen.

Der Archaologe und Hohlenforscher Paul Faure halt statt Knossos eine weitverzweigte Hohle bei Skontino, dreieinhalb Stunden von Knossos entfernt, fur das Labyrinth.

Literatur

  • Arthur Evans: The Palace of Minos, 4 Bande, 1921 bis 1935, London
  • E. Hallager: The Mycenaean Palace of Knossos, 1977, Stockholm
  • R. Hagg u. N. Marinator (Hrsg.): The Function of the Minoan Palaces, Symposium Athen 1984
  • J. Wilson Myers u.a. (Hrsg.): The Areal Atlas of Ancient Crete, 1992, London
  • Hans Georg Wunderlich: Wohin der Stier Europa trug, 1972

Siehe auch

  • Agia Triada
  • Fourni_(Kreta)
  • Gortys
  • Gournia
  • Kato Zakros
  • Lato
  • Malia
  • Palekastro
  • Phaistos
  • Psichro

Weblinks

  • Live-Reisen - Knossos (http://www.live-reisen.com/iraklion/wiki_knossos.htm)

Kategorie:Archaologische Grabung

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